Am Samstagabend um 23 Uhr deutscher Zeit spielt Paraguay im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Philadelphia gegen Frankreich. Für die Südamerikaner ist es der erste Auftritt in der Runde der letzten 16 seit 2010, für Trainer Gustavo Alfaro der bislang größte Moment einer sportlichen Wiederauferstehung, die vor 22 Monaten in Asunción begann und am Montag mit dem Elfmeter-Sieg über Deutschland ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Weltmeister Frankreich hat mit dem 3:0 gegen Schweden im MetLife-Stadion die letzten Zweifel an seiner Form beseitigt.

Paraguay warf den viermaligen Weltmeister Deutschland in Foxborough nach 120 Minuten (1:1) und Elfmeterschießen (4:3) aus dem Turnier. Julio Enciso von Racing Strasbourg köpfte die Albirroja in der 42. Minute nach einer Flanke von Matias Galarza in Führung, Kai Havertz glich in der 54. Minute nach Vorlage von Florian Wirtz aus. In der Verlängerung annullierte der marokkanische Schiedsrichter Jalal Jayed einen Treffer von Jonathan Tah wegen eines Foulspiels im Aufbau, ARD-Regelexperte Thorsten Kinhöfer hielt die Entscheidung für nicht haltbar. Vom Punkt parierte Paraguays Torhüter Orlando Gill gegen Havertz und Nick Woltemade, José Canale verwandelte den entscheidenden Elfmeter.

Der 63 Jahre alte Argentinier Alfaro hat Paraguay seit seinem Amtsantritt im August 2024 neu justiert. Auf ihn wartet in Philadelphia sein zweites WM-Achtelfinale binnen vier Jahren, 2022 in Katar hatte er Ecuador in die Runde der letzten 16 geführt. In der Südamerika-Qualifikation verlor Paraguay unter ihm nur eines von zwölf Spielen, in der Vorrunde in den USA hielt die Defensive um Sunderland-Verteidiger Omar Alderete gegen Australien, Marokko und Iran ähnlich dicht wie später gegen die DFB-Auswahl.

Für mich sind 26 Kämpfer angetreten und als Legenden hervorgegangen. Es war ein episches Match, einfach episch.
- Gustavo Alfaro, Trainer Paraguay, ORF

Präsident Santiago Peña rief per Dekret einen nationalen Feiertag aus. In der Hauptstadt Asunción versammelten sich nach Angaben der Zeitung Última Hora Zehntausende am Panteón Nacional de los Héroes. „Paraguay gibt niemals auf! Feiertag, verdammt noch mal!“, schrieb Peña auf der Plattform X. Später erklärte er, das Land feiere „den Sieg einer Nationalmannschaft, die das Wesentliche unserer Identität verkörpert: den Kampfgeist, den Glauben und die Stärke eines Volkes, das niemals aufgibt.“

Frankreichs Machtdemonstration gegen Schweden

Frankreich schlug Schweden am Dienstag im MetLife-Stadion mit 3:0. Kylian Mbappé traf in der 45. Minute mit einem platzierten Schuss ins lange Eck und in der 74. Minute nach Zuspiel von Michael Olise, Bradley Barcola erhöhte in der 53. Minute. Es waren Mbappés Turniertore fünf und sechs, in der WM-Ewigkeitsliste zog er mit nun 18 Treffern an Miroslav Klose vorbei und liegt einen Treffer hinter Rekordhalter Lionel Messi. Trainer Didier Deschamps stand nach der Beerdigung seiner Mutter Ginette erstmals wieder an der Seitenlinie, Mbappé sprintete nach seinem Führungstreffer direkt zu ihm und umarmte den 57-Jährigen.

„Es gibt Dinge, die wichtiger sind als Fußball. Mit dieser Geste weiß er, dass die ganze Mannschaft hinter ihm steht“, sagte Mbappé nach dem Spiel. Deschamps selbst erklärte im ZDF-Interview, es habe „gutgetan, den Kopf beschäftigt zu haben“. Olise, der Nationalspieler von Bayern München, bereitete zwei Treffer vor und führt die Assist-Wertung des Turniers mit fünf Vorlagen an.

Für Paraguay steht die Frage im Mittelpunkt, wie viel die 120 Minuten von Foxborough in den Beinen liegen. Alfaro dürfte am Samstag erneut auf ein tief gestaffeltes 4-4-2 setzen und darauf hoffen, dass Frankreichs Konterspiel im engen Linienraum nicht in Fahrt kommt. Für Mbappé geht es um weitere Schritte in Richtung Messis Bestmarke, für Deschamps um den zweiten WM-Titel als Nationaltrainer, für Alfaro und Paraguay um den nächsten Coup im Finalturnier ihres Lebens.