Zwei Tage nach dem verlorenen WM-Finale gegen Spanien drängt Leandro Paredes zurück in den Kluballtag. Der 32-jährige Mittelfeldspieler landete am Montag mit dem argentinischen Aufgebot am Flughafen Ezeiza und meldete sich umgehend bei den Boca Juniors zum Dienst - obwohl Trainerstab und Medizinabteilung ihm Ruhe verordnen möchten. Boca empfängt am kommenden Donnerstag den chilenischen Klub O'Higgins zum Hinspiel der Copa-Sudamericana-Achtelfinals, und Paredes will unbedingt in der Startelf stehen.
Wie das argentinische Portal El Intransigente berichtet, hat der Spieler dem Trainerstab um Rodolfo Arruabarrena signalisiert, weder Urlaub noch Regeneration in Anspruch nehmen zu wollen. Arruabarrena selbst bleibt zurückhaltend: Er will Paredes' Belastungsstand in den kommenden Trainingseinheiten prüfen, bevor er über einen Einsatz gegen O'Higgins entscheidet. Die medizinische Abteilung des Klubs sucht laut El Intransigente eine Balance zwischen dem sportlichen Bedürfnis, ihn auf dem Platz zu haben, und dem Risiko eines Rückfalls.
Lass mich spielen.
Die Sorge ist begründet. Paredes war bereits mit einer Verletzung am rechten hinteren Oberschenkel zur Weltmeisterschaft angereist und hatte sich im Finale gegen Spanien Rippenschmerzen zugezogen. Seine Mutter sprach gegenüber argentinischen Medien von einer „kleinen Verletzung“, die er aus dem Turnier mitgeschleppt habe. Vor dem Turnier stand der Mittelfeldspieler zudem in einer der intensivsten Klubsaisonen seiner Laufbahn: Boca hatte ihn erst im Sommer 2025 von der AS Rom zurückgeholt, sein Vertrag läuft bis Ende 2028.
Schatten des FIFA-Verfahrens
Paredes' Rückkehr zum Klub findet vor einem unangenehmen Hintergrund statt. Die FIFA hat am Montag ein Disziplinarverfahren gegen ihn und weitere argentinische Akteure eingeleitet, nachdem es unmittelbar nach dem Abpfiff im MetLife Stadium zu Rangeleien mit spanischen Spielern gekommen war. Paredes hatte Eric García geschubst und laut den Fernsehbildern anschließend Gavi im Gesicht getroffen und zu Boden gedrückt. Schiedsrichter Slavko Vinčić stellte ihn nach Schlusspfiff mit Rot vom Feld - eine Karte, die laut BBC später aus dem offiziellen Spielbericht wieder gestrichen wurde.
Wie die Sportschau unter Berufung auf eine FIFA-Mitteilung berichtet, hat der Weltverband einen Disziplinar- und Ethikermittler benannt, der mögliche Verstöße gegen den Disziplinarcode prüft. Für Tätlichkeiten sieht die FIFA laut ihrem Regelwerk mindestens drei Spiele Sperre vor. Auch Nahuel Molina, der nach Schlusspfiff Rodri in die Brust geboxt haben soll, und Co-Trainer Roberto Ayala, dem eine Attacke gegen Dani Olmo vorgeworfen wird, stehen im Fokus der Untersuchung. Auf Klubebene hat das Verfahren zunächst keine Folgen - eine Sperre wäre auf Länderspiele Argentiniens beschränkt.
Genau deshalb wiegt für Paredes und für Boca der Donnerstag schwer. In der Copa Sudamericana ist der 2005 erstmals ausgetragene Wettbewerb neben der Copa Libertadores der zweitwichtigste Titel für südamerikanische Klubs, und die Xeneizes haben nach einer schwachen Ligaphase kaum Raum für Rückschläge. Fällt Paredes wegen Erschöpfung oder Verletzung länger aus, bleibt Trainer Arruabarrena wenig, was den WM-Finalisten im Mittelfeld ersetzen könnte. Fällt er aus, weil die FIFA sperrt, betrifft es zumindest den Klub nicht. Fällt er auf eigenen Wunsch nicht aus - dann beginnt für Paredes die Woche nach der Weltmeisterschaft mit einem Spiel, das viele seiner Kollegen aus dem WM-Kader an diesem Punkt der Saison meiden würden.