Ghana wird seinen WM-Auftakt gegen Panama ohne Thomas Partey bestreiten. Wie der ghanaische Verband und FIFA am Freitag mitteilten, hat Kanada dem 32-jährigen Mittelfeldspieler des FC Villarreal die Einreise verweigert. Das Spiel der Gruppe L findet am Mittwoch, dem 17. Juni, im BMO Field in Toronto statt. Hintergrund der Entscheidung sind die laufenden Strafverfahren gegen Partey in London.

Die zuständige Behörde Immigration, Refugees and Citizenship Canada teilte mit, jeder Antrag werde individuell geprüft. „Nach kanadischem Recht können ausländische Staatsangehörige auch ohne Verurteilung im Ausland als unzulässig eingestuft werden“, heißt es in einer Stellungnahme, die Al Jazeera und CBC zitieren. Die Behörde verwies darauf, dass die Ausrichtung eines Großereignisses Kanadas Einwanderungsgesetze nicht ändere. Die FIFA stellte ihrerseits klar, in nationale Visa-Entscheidungen nicht eingebunden zu sein.

Ghanas Außenministerium reagierte mit deutlicher Kritik. In einer Erklärung, die der britische Sender Sky Sports auszugsweise veröffentlichte, hieß es, man respektiere zwar das Souveränitätsrecht Ottawas, halte das Vorgehen aber für „überheblich und ausgesprochen unfair“. Sich auf unbewiesene Anschuldigungen zu stützen, „wirft grundsätzliche Fragen nach Fairness und Verhältnismäßigkeit auf“. Ghana sei in Vorgesprächen über die WM-Logistik nicht auf Bedenken hingewiesen worden.

Sich auf unbewiesene Vorwürfe zu stützen, ohne dass ein Gericht entschieden hat, wirft grundsätzliche Fragen nach Fairness und Verhältnismäßigkeit auf.
- Außenministerium Ghana, zitiert nach Sky Sports

Anklage in London

Partey ist von der Londoner Metropolitan Police in sieben Fällen der Vergewaltigung und einmal der sexuellen Nötigung angeklagt. Die mutmaßlichen Taten sollen sich zwischen Dezember 2020 und 2022 zugetragen haben, als er noch beim FC Arsenal unter Vertrag stand. Partey hat alle Vorwürfe bestritten, wurde auf Kaution freigelassen und seit August 2025 an Villarreal weitergereicht. Der Beginn des Hauptverfahrens am Crown Court ist laut CBC für den 8. Juni 2027 angesetzt.

Für Trainer Otto Addo bedeutet der Ausfall einen empfindlichen Verlust im Zentrum. Partey ist Kapitän der Black Stars und ihr erfahrenster Spieler in einem ansonsten jungen Aufgebot. Sportlich rückt damit der frühere Bundesligaprofi Mohammed Kudus stärker in die Spielmacherrolle. Auf die folgenden Gruppenpartien wirkt sich die kanadische Entscheidung nicht aus: Sowohl das Duell mit England am 23. Juni in Foxborough als auch das Spiel gegen Kroatien am 27. Juni in Philadelphia finden in den USA statt, wo Partey eine gültige Einreisegenehmigung besitzt.

Politisch dürfte der Fall nachhallen. Schon im Vorfeld hatten Menschenrechtsorganisationen Kanada aufgefordert, einreisende WM-Teilnehmer mit laufenden Verfahren wegen Sexualstraftaten genauer zu prüfen; gleichzeitig warnen Sportverbände vor einer Ungleichbehandlung gegenüber den US-amerikanischen Co-Gastgebern. Für die FIFA, die mit dem Turnier ihren Anspruch auf ein „One-Tournament“-Erlebnis über drei Länder hinweg betont, ist die Causa Partey ein Vorbote möglicher weiterer Streitfälle in der Gruppenphase.