Peter Kraus steht am 27. August auf der Freilichtbühne Ötigheim. Um 20 Uhr beginnt dort das Programm „Rockin' 87!“, ein Abend, den der 87-jährige Sänger nach Angaben der Volksschauspiele Ötigheim ausdrücklich analog gestalten will: Hammondorgel, Mandoline und Mundharmonika statt Elektronik, dazu Anekdoten aus sechs Jahrzehnten Bühnenkarriere. Der Auftritt in Baden-Württemberg ist einer der wenigen Termine, mit denen der Begründer des deutschsprachigen Rock'n'Roll den Sommer 2026 bestreitet, bevor im kommenden Jahr die nächste, deutlich größere Tour folgt.

Für Mai 2027 hat Kraus die Tournee „Live hoch 2“ mit seinem Sohn Mike angekündigt. Es wäre, wie er selbst gegenüber Watson im Mai einräumte, seine achte Abschiedstour. „Okay - es ist nun meine achte Abschiedstournee“, sagte Kraus in dem Interview. Die Idee zur gemeinsamen Bühne stammt vom Sohn: Mike Kraus habe ihm den Song „Für immer vereint“ vorgespielt, den beide nun als Duett auf die Bühne bringen wollen. „Das Lied handelt von einer schönen Vater-Sohn-Beziehung“, so Kraus.

Das mit dem Ruhestand klappt einfach nicht.
- Peter Kraus, Watson

Rückzug an den Luganer See vertagt

Dass Kraus mit 87 weiter auftritt, ist nicht selbstverständlich. Im März hatte er gegenüber t-online noch von seinen Plänen gesprochen, sich zurückzuziehen: „Eigentlich wollte ich mich auf meinen Wohnsitz an den Luganer See zurückziehen“, sagte er dem Portal. Der Sänger lebt mit seiner Frau Ingrid im Tessin und in der Steiermark. Zur Frage nach dem Alter reagierte er im selben Gespräch knapp: „Die Zahl schreckt mich nicht.“ Und weiter: „Ich weiß natürlich, dass ich nicht unsterblich bin.“

Kraus, in Wien geboren, hatte Ende der 1950er Jahre mit Titeln wie „Sugar Baby“ und „Schwarze Rose, Rosemarie“ das jugendliche Nachkriegspublikum in der Bundesrepublik erreicht und gilt seither als deutschsprachiges Pendant zu Elvis Presley. Über 17 Millionen verkaufte Tonträger verzeichnet die Universal-Diskografie. Auch die aktuelle Vorbereitung auf die Tour mit Mike bringt der Sänger in Interviews mit einer nüchternen Selbstverortung zusammen: Der Auftritt in Ötigheim, so steht es im Programm der Volksschauspiele, solle sich für das Publikum weniger wie ein großes Konzert als wie ein Abend im Wohnzimmer anfühlen.