Der deutsch-französische Kulturkanal Arte hat den Auftakt seiner Christian-Petzold-Retrospektive gemacht: Am Mittwochabend, 26. August, lief zur Primetime „Phoenix“, das Nachkriegsdrama von 2014 mit Nina Hoss und Ronald Zehrfeld. Sechs Filme des Regisseurs stehen zudem komplett in der Arte-Mediathek, wie das Fachmagazin Filmdienst berichtet. Der Wikipedia-Artikel zum Film klettert seit der Ausstrahlung in den deutschen Trends nach oben.
Neben „Phoenix“ umfasst die Auswahl fünf weitere Arbeiten: „Die innere Sicherheit“ von 2000, „Gespenster“ (2005), „Yella“ (2007) sowie „Transit“ (2018) und „Undine“ (2020). Die Reihe ist laut Tonspion seit dem 10. August verfügbar und bleibt noch bis zum 7. November online. Petzold wird der sogenannten Berliner Schule zugerechnet und gilt vielen Kritikerinnen und Kritikern als bestimmende Regie-Stimme des deutschen Autorenkinos der vergangenen zwei Jahrzehnte.
„Phoenix“ folgt der jüdischen Sängerin Nelly, die Auschwitz überlebt hat. Ihr Gesicht ist zerstört, ein Chirurg baut es wieder auf. Zurück im schuttbedeckten Berlin des Jahres 1945 sucht sie ihren Mann Johnny, den sie im Verdacht hat, sie an die Nationalsozialisten verraten zu haben. Doch der erkennt sie nicht - und schlägt der vermeintlich Fremden vor, sich als seine tot geglaubte Frau auszugeben, um an ihr Erbe zu kommen. Nina Hoss und Ronald Zehrfeld tragen das Kammerspiel, in dem Nina Kunzendorf als Nellys Freundin Lene die dritte tragende Rolle übernimmt.
„Speak Low“ als Motiv der Wiederkehr
Petzold schrieb das Drehbuch gemeinsam mit dem Filmemacher Harun Farocki, gestützt auf Motive aus Hubert Monteilhets Roman „Le Retour des cendres“ von 1961. Der Song „Speak Low“ von Kurt Weill und Ogden Nash zieht sich als musikalisches Motiv durch den Film - eine Verbindung zwischen jüdisch-deutschem Broadway-Exil und dem Berlin, in das Nelly zurückkehrt. „Phoenix“ markiert die sechste Zusammenarbeit von Petzold und Hoss nach Filmen wie „Barbara“ und gehört zu den beständigsten Regisseur-Schauspielerin-Konstellationen im deutschen Kino.
Die Jüdische Allgemeine würdigt „Phoenix“ als herausragenden Film über eine Schoa-Überlebende, den Petzold als Parabel auf das Nachkriegsdeutschland anlege. Beim Festival von San Sebastián erhielt der Regisseur 2014 den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik; im Folgejahr war der Film beim Preis der deutschen Filmkritik in den Kategorien Bester Spielfilm und Beste Musik nominiert. Seine Weltpremiere feierte er beim Toronto International Film Festival.
Rückblick auf ein Werk in Bewegung
Die Wiederholung fällt in eine Phase, in der Petzold auch mit neuer Arbeit im Kinojahr präsent ist: Sein aktueller Spielfilm „Mirrors No. 3“ tourte im Frühjahr 2026 durch internationale Festivals, im März stellte er ihn im New Yorker Lincoln Center vor. Die Arte-Retrospektive rückt nun das Werk davor in den Blick - vom RAF-Nachwuchs-Drama „Die innere Sicherheit“ bis zum Berliner Wassernymphen-Film „Undine“. Wer die Reihe verpasst hat, hat noch gut zwei Monate Zeit: Bis zum 7. November laufen alle sechs Filme in der Arte-Mediathek.