Die klassischen Pilzmonate September und Oktober gelten als die ergiebigste Zeit des Jahres. In diesem Herbst bleiben die Körbe in weiten Teilen Deutschlands jedoch leer. Nach einem heißen, trockenen Sommer berichten Pilzsachverständige aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern von einer deutlich schwächeren Saison als in Vorjahren.
Klaus Rödder, Pilzsachverständiger aus Kradenbach in der Vulkaneifel, sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei „im Moment immer noch zu trocken“. Große Hoffnungen für die Hauptsaison im Oktober mache er sich nicht. Auch Dr. Till Panter aus Rheinhessen sprach gegenüber dpa von „mickrigen Exemplaren mit starkem Trockenschaden“ und warnte: „Man sollte nicht zu hohe Erwartungen haben.“ In Regionen mit ausgewiesener extremer Dürre, so Panter, sei „nicht viel zu holen“.
Mein Pessimismus ist nach wie vor hoch.
In Hessen fällt das Urteil ähnlich aus. Thomas Lehr aus Hofheim am Taunus beschrieb die Böden in Taunus, Spessart und Odenwald als „knochentrocken“. Etwas optimistischer äußerte sich Alex Maier aus Fulda, der in höheren Lagen der Rhön eine leicht verbesserte Lage beobachtet. Die Darmstädter Expertin Irmtraut Lampert zeigte vor Kameras einen vertrockneten Steinpilz: „Die sieht aus wie ein Badeschwamm.“
Regionale Ausnahmen im Nordosten
In Mecklenburg zeichnet sich ein ähnliches Bild. Die zertifizierte Pilzsachverständige Anja Mondschein, seit 2015 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, führte den Nordkurier Mitte Oktober durch den Glienholz-Wald bei Röbel. Auch sie konstatierte: „Es ist zu trocken.“ Für eine Pilzausstellung Ende September konnte Mondschein zwar 170 bis 180 Arten sammeln, doch das Vorkommen essbarer Speisepilze liege spürbar unter dem Niveau früherer Jahre. Sollte Regen kommen, könnten sich „innerhalb von etwa zwei Wochen“ wieder Pilze entwickeln, so Mondschein.
Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie zählt in Deutschland rund 14.400 Pilzarten. Davon gelten etwa 200 als essbar, rund 150 als giftig, zehn als tödlich. Vor dem Hintergrund der schlechten Saison warnen die befragten Sachverständigen eindringlich davor, sich bei der Bestimmung auf Smartphone-Apps zu verlassen. „Für eine sichere Bestimmung reicht ein Foto oft nicht aus“, sagte Mondschein. Alex Maier formulierte es gegenüber dpa knapper: „Man sollte nur die Pilze essen, bei denen man sich hundertprozentig sicher ist.“
Bis zum klassischen Saisonende Anfang November bleibt den Sammlern wenig Zeit. Für eine Trendwende müsste nach Einschätzung der Experten über mehrere Wochen flächendeckend Regen fallen - ein Szenario, das die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes derzeit nicht hergeben.