Deutschlands Schülerinnen und Schüler erreichen im internationalen PISA-Test die schlechtesten Werte seit Beginn der Erhebung. Das geht aus den Ergebnissen der Studie PISA 2025 hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurden. Die 15-Jährigen kamen im Schnitt auf 465 Punkte im Lesen, 464 Punkte in Mathematik und 486 Punkte in den Naturwissenschaften - jeweils deutlich weniger als noch 2022.
Damit setzt sich ein Trend fort, der laut Studienleitung um das Jahr 2015 begonnen hat. „Wir sehen sinkende Leistungen in allen drei getesteten Bereichen“, sagte Samuel Greiff, wissenschaftlicher Leiter der deutschen PISA-Studie an der Technischen Universität München, dem ZDF. Allein im Fach Naturwissenschaften hätten die Werte binnen einer Dekade um mehr als ein Schuljahr verloren.
Rund ein Drittel der getesteten Jugendlichen verfehlt inzwischen die Mindestkompetenz im Lesen und in Mathematik, ein Viertel in den Naturwissenschaften. 32 Prozent der 15-Jährigen können Texte nicht sinnentnehmend erfassen, wie das Deutsche Schulportal auf Basis der Studie berichtet - 2022 waren es noch 25 Prozent. In Mathematik erreichen 34 Prozent nicht das Basisniveau. An nichtgymnasialen Schulen scheitern 47 Prozent, an Gymnasien sechs Prozent.
Wer besonders zurückfällt
Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist in Deutschland so ausgeprägt wie in kaum einem anderen OECD-Land. Zwischen Jugendlichen aus privilegierten und benachteiligten Familien liegen in den Naturwissenschaften 125 Punkte - der OECD-Schnitt beträgt 85. Die Kluft ist seit 2015 gewachsen, während sie international geschrumpft ist. Nur zwei Prozent der Kinder aus benachteiligten Verhältnissen erreichen Spitzenleistungen.
Ob ich aus einer sozial privilegierten oder sozial benachteiligten Familie komme, hat einen starken Einfluss auf meine Bildungschancen.
Auch die Migrationsgeschichte spielt eine deutliche Rolle: Jugendliche, die nach ihrem elften Geburtstag nach Deutschland gekommen sind, liegen in den Naturwissenschaften 129 Punkte hinter den in Deutschland geborenen Gleichaltrigen. Bei Kindern der zweiten Einwanderergeneration beträgt der Abstand 58 Punkte.
Im internationalen Ranking rutscht Deutschland auf Platz 24 im Lesen und Platz 25 in Mathematik ab, gemeinsam mit Schweden. In den Naturwissenschaften liegt die Bundesrepublik auf Rang 23 unter 91 teilnehmenden Staaten.
Prien setzt auf frühe Förderung
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), die die Ergebnisse gemeinsam mit dem OECD-Bildungsexperten Francesco Avvisati präsentierte, nannte die Zahlen eine erhebliche Herausforderung für das Schulsystem. Verändert hätten sich die Rahmenbedingungen - Mediennutzung und Familienformen. Als Konsequenz kündigte sie drei Schwerpunkte an: eine Stärkung der frühkindlichen Bildung, bessere Übergänge zwischen Kita und Grundschule sowie eine gezielte Förderung von Basiskompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen.
Aus der Wissenschaft und der Wirtschaft kommen zusätzliche Forderungen. „Man kippt die Bildungsinvestition nicht mit der Gießkanne über alle Schulen aus, sondern man schaut, wo man sie wirklich braucht“, sagte die Bildungsökonomin Christina Anger vom Institut der deutschen Wirtschaft im ZDFheute-Interview. Das ifo-Institut hat berechnet, dass eine spürbare Verbesserung der Schulleistungen bis zum Jahr 2105 rund 21 Billionen Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung bringen könnte - rund das Fünffache des aktuellen Bruttoinlandsprodukts.
Positive Signale liefert die Studie an zwei Punkten: Drei Viertel der befragten Jugendlichen fühlen sich an ihrer Schule zugehörig, und die digitalen Kompetenzen der deutschen Schülerinnen und Schüler liegen im internationalen Vergleich vorn. Dem stehen jedoch 33 Prozent gegenüber, die Schule für „Zeitverschwendung“ halten - ein Wert, der weit über dem OECD-Schnitt von 24 Prozent liegt. Und fast jeder dritte Jugendliche berichtet von Mobbing-Erfahrungen im Monatsrhythmus.