Der Vatikan hat die Priesterbruderschaft St. Pius X. in ein förmliches Schisma entlassen. Das Dikasterium für die Glaubenslehre veröffentlichte am Donnerstag, 2. Juli 2026, ein Dekret, das die Bischofsweihen von vier Priestern in Écône am Vortag als „Handlung schismatischer Natur“ einstuft und die Exkommunikation über die beteiligten Geistlichen sowie über alle formal der Bruderschaft angehörigen Priester und Laien verhängt. Kardinal Víctor Manuel Fernández, Präfekt der Behörde, unterzeichnete die Erklärung, die den seit Jahren schwelenden Bruch endgültig macht.

In der Kapelle des Priesterseminars in Écône im Kanton Wallis weihten Bischof Alfonso de Galarreta und Mitkonsekrator Bernard Fellay am Mittwochmorgen den Schweizer Pascal Schreiber, den US-Amerikaner Michael Goldade sowie die Franzosen Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier zu Bischöfen. Die Zeremonie fand ohne päpstliches Mandat und gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Leo XIV. statt, der die Bruderschaft in den Tagen zuvor in einem persönlichen Schreiben an Generaloberer Davide Pagliarani zur Umkehr aufgefordert hatte. „Ich bete für euch, denn das nahtlose Gewand Christi zu zerreißen ist eine überaus schwere Sünde“, zitiert Katholisch.de aus dem Brief. Pagliarani dankte in seiner Antwort für die „väterliche Fürsorge“, bat den Papst um „notwendige Zeit“ zur Bewertung und gab keine Zusage, die Weihen abzusagen.

Bischofsweihe von vier Priestern ohne päpstliches Mandat und gegen den Willen des Papstes.
- Dekret des Glaubensdikasteriums, 2. Juli 2026

Dekret trifft auch Priester und Laien

Das Dekret geht damit weiter als die Reaktion Papst Johannes Pauls II. auf die Bischofsweihen Marcel Lefebvres, mit denen 1988 am selben Ort der Ursprungskonflikt begann. Damals traf die Exkommunikation nur Weihende und Geweihte, die Bruderschaft als Ganzes blieb formal in einer unregelmäßigen, aber nicht ausgeschlossenen Lage. Nun wird der Ausschluss laut Kirche-und-Leben.de auf alle rund 700 Priester weltweit ausgedehnt, ebenso auf Laien, die sich formal der Bruderschaft angeschlossen haben. Zugleich erklärt Rom die Sonderregelungen aus den Jahren 2009 und 2016, mit denen die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus Beichten und Trauungen der Piusbrüder für gültig erklärt hatten, für erloschen.

Auch die neuen Bischöfe erhalten in dem Dekret keinen kirchenrechtlichen Status: Ihre Weihen sind zwar gültig, weil sie in apostolischer Sukzession vollzogen wurden, aber unerlaubt. Ein „Verfahren zur Rückkehr in die katholische Gemeinschaft“ veröffentlichte der Vatikan zeitgleich; es richtet sich an Priester und Laien, die die Bruderschaft verlassen und das Zweite Vatikanische Konzil sowie die Gültigkeit der reformierten Messe anerkennen.

Piusbrüder wollen bleiben, was sie sind

Die Bruderschaft selbst gibt sich unbeeindruckt. Pater Michel Rion beschrieb die Linie gegenüber DOMRADIO als Selbstverständnis im „ewigen Rom“ gegen ein aus ihrer Sicht „neuprotestantisches“ Rom des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ein Sprecher ließ nach dem gleichen Bericht wissen, kirchenrechtliche Strafen würden als „für die Sendung ohne Bedeutung“ gewertet. Bernard Fellay, der 1988 selbst von Lefebvre geweiht wurde und die zwischenzeitliche Aufhebung seiner Exkommunikation 2009 durch Papst Benedikt XVI. erlebt hatte, führte die Zeremonie in Écône trotz der Drohung aus Rom bis zum Ende.

Wie viele der weltweit rund 800 Priorate, Kapellen und Schulen der Bruderschaft, ein gutes Drittel davon in Frankreich, der Schweiz und Deutschland, den Rückweg über das neue Verfahren beschreiten, wird die eigentliche Folgefrage sein. Für die deutschen Distrikte, die von Stuttgart aus geleitet werden, war eine öffentliche Reaktion bis Donnerstagabend noch ausstehend.