Tadej Pogačar hat am Sonntag in Paris seinen fünften Tour-de-France-Gesamtsieg perfekt gemacht und sich damit in den engsten Kreis der Radsport-Geschichte eingereiht. Der 26-jährige Slowene vom Team UAE Emirates XRG beendete die dreiwöchige Rundfahrt nach 73 Stunden, 56 Minuten und 26 Sekunden - 6:26 Minuten vor dem Belgier Remco Evenepoel (Red Bull-Bora-hansgrohe) und 9:42 Minuten vor seinem Teamkollegen Isaac del Toro. Damit steht Pogačar auf einer Stufe mit Eddy Merckx, Bernard Hinault, Miguel Indurain und Jacques Anquetil, den einzigen anderen fünffachen Toursiegern.

Die 21. und letzte Etappe von Thoiry auf die Champs-Élysées gewann jedoch nicht Pogačar, sondern Mathieu van der Poel. Der Niederländer setzte sich auf der 88,7 Kilometer langen Schleife mit drei Anstiegen zur Côte de la Butte Montmartre im Endspurt vor seinem Alpecin-Teamkollegen Jasper Philipsen und dem Dänen Mads Pedersen durch. Pogačar hatte auf den Kopfsteinpflaster-Rampen am Sacré-Cœur mehrfach attackiert, ließ sich vom Etappensieg-Verzicht aber nicht die Feierstimmung nehmen. „Ich habe die Arme gehoben, als wäre ich als Erster über die Ziellinie gefahren“, zitierte ihn Euronews nach der Ankunft.

Vingegaard-Sturz, Waldbrände, Zäsuren

Der Verlauf der Tour 2026 war von zwei Zäsuren geprägt. Am 19. Juli stürzte Titelverteidiger Jonas Vingegaard auf der 15. Etappe zum Plateau de Solaison bei hoher Geschwindigkeit, brach sich das Schlüsselbein und musste aufgeben. Der zweifache Toursieger, der bis dahin Gesamtzweiter war, wurde nach Angaben von Visma-Lease a Bike umgehend operiert. Wenige Tage später erzwangen die Waldbrände im Département Gironde eine Kürzung der Schlussetappe von 133 auf 89 Kilometer, damit die Rettungskräfte nicht durch die Rundfahrt gebunden würden. Für Pogačar entfiel damit die letzte theoretische Angriffsfläche, seine Konkurrenten hatten ohnehin keine Antwort mehr.

Gegen eine Leistung wie diese kann man nichts machen. Pogačar war einfach zu stark.
- Florian Lipowitz, Bora-Hansgrohe

Deutsche Bilanz ernüchtert

Aus deutscher Sicht war es die fünfte Tour in Folge ohne Etappensieg. Kein Fahrer aus der Bundesrepublik schaffte es unter die besten 50 der Gesamtwertung. Florian Lipowitz, im Vorjahr noch Podiumsdritter, hatte die Rundfahrt bereits nach einem Sturz im Zeitfahren aufgeben müssen und verfolgte das Finale nach Klinikangaben von der heimischen Couch aus. Der einzige deutsche Grund zur Freude kam von Nils Politt: Der Kölner arbeitete zum dritten Mal in Folge als Edelhelfer für Pogačar an dessen Gesamtsieg mit. Sprinter Phil Bauhaus blieb in seiner vierten Tour-Teilnahme erneut ohne Ergebnis.

Die Nebenwertungen gingen sämtlich an Fahrer der zweiten Reihe des Klassements. Mads Pedersen holte sich mit 539 Punkten das Grüne Trikot der Sprinter, der Ecuadorianer Richard Carapaz gewann das Bergtrikot mit 156 Zählern. Bester Nachwuchsfahrer wurde Isaac del Toro, der zugleich das jüngste Podium der Tour-Geschichte komplettierte. Die Teamwertung sicherte sich Lidl-Trek mit 36:57 Minuten Vorsprung. Pogačar wird laut UAE-Team-Angaben Anfang August in der WM-Vorbereitung wieder auf dem Rad sitzen - bereits im September will er in Ruanda seinen dritten Weltmeistertitel angreifen.