In 15 Landeshauptstädten haben Aktivisten der Initiative PRÜF am Samstag zu Kundgebungen gegen die AfD aufgerufen. Sie fordern, dass die Bundesländer über den Bundesrat ein Prüfverfahren beim Bundesverfassungsgericht anstrengen. Von Schwerin über Magdeburg bis Saarbrücken beginnen die Züge zwischen 11 und 16 Uhr, wie die Initiative auf ihrer Webseite ankündigt.

In Berlin geht die PRÜF-Kundgebung in einer weit größeren Mobilisierung auf. Unter dem Motto „Zeit, dass sich was dreht“ hat ein Bündnis aus über 80 Organisationen zur Sterndemo geladen. Sieben thematische Züge starten laut Berliner Kurier ab 11.30 Uhr aus allen Himmelsrichtungen und laufen um 16 Uhr am Roten Rathaus zusammen. Die Veranstalter rechnen mit rund 30.000 Teilnehmern. Der PRÜF-Block läuft im Zug „Schutz der Demokratie und Menschenrechte“, der um 13 Uhr am Potsdamer Platz startet.

Wir brauchen keine Symbolpolitik, wir brauchen eine Lösung.
- Penelope Alva Frank, Queermany

Die Sterndemo findet eine Woche vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus statt. Bei einer Pressekonferenz im Vorfeld sagte Veit Hannemann vom Bündnis „Hand in Hand“ laut Tagesspiegel, Berlin habe „keine Politik, die die Bedürfnisse der Menschen ernst nehme“. Ziel der Demonstration sei, „dass Menschen ein Gefühl dafür bekommen, nicht alleine zu stehen“. Annkatrin Schwirten von Fridays for Future Berlin ergänzte, Berlin könne „eine Stadt werden, in der Menschen keine Zukunftsängste haben“.

Rückenwind aus Sachsen-Anhalt

Zusätzliche Dringlichkeit gibt der Anti-Rechts-Mobilisierung die jüngste Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD stärkste Kraft wurde. Auch in Berlin liegt die Partei in aktuellen Umfragen für die Abgeordnetenhauswahl in Sichtweite von Linkspartei und CDU. Die Sterndemo, so Hannemann, richte sich „gegen Zukunftsängste, Ohnmachtsgefühle und Vereinzelung“.

Die Initiative PRÜF wurde vom Kabarettisten Nico Semsrott mitinitiiert und mobilisiert seit November 2025 an jedem zweiten Samstag im Monat in mehreren Landeshauptstädten. Anders als das Berliner Sterndemo-Bündnis, das sich breit gegen rechts positioniert, hat PRÜF ein eng gefasstes Ziel: Die Bundesländer sollen im Bundesrat einen Prüfantrag stellen, damit das Bundesverfassungsgericht über ein Verbotsverfahren entscheidet.

Polizei rechnet mit sensibler Lage

Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day im Juli sei die Berliner Polizei „hochsensibel“, sagte Hannemann. Betroffen sind laut Berliner Kurier nicht nur Straßen in der Innenstadt, sondern auch die Bezirke Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf, Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf. Der sternförmige Zuschnitt verteilt die Demonstrierenden auf mehrere Achsen, statt sie auf einer Route zu bündeln.

Für das Nachprogramm ab 15.15 Uhr am Roten Rathaus haben die Veranstalter Reden aus Fridays for Future Berlin, dem DGB Berlin-Brandenburg und den Omas gegen Rechts angekündigt. Die Teilnehmer werden gebeten, Partei- und Nationalfahnen zu Hause zu lassen.