Wladimir Putin reist in der kommenden Woche nach Peking. Das gab Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau bekannt - nur wenige Stunden, nachdem US-Präsident Donald Trump seinen dreitägigen Staatsbesuch in China abgeschlossen hatte. „Ganz, ganz bald“ werde eine offizielle Erklärung in Abstimmung mit Peking folgen, sagte Peskow vor Reportern. Den genauen Termin nannte er nicht. Diplomatische Quellen in Peking nennen laut South China Morning Post den Mittwoch, 20. Mai.
Es ist eine ungewöhnliche diplomatische Choreografie. Innerhalb einer Woche empfängt Xi Jinping nacheinander die Staatschefs jener beiden Großmächte, die sich im Krieg gegen die Ukraine als Hauptgegner und wichtigster Unterstützer Russlands gegenüberstehen. Trump verließ Peking am Freitag, nachdem er mit Xi nach Angaben chinesischer Stellen über Handel, Taiwan und den Nahostkrieg gesprochen hatte. Putin folgt nun mit knappem Abstand.
Die Tagesordnung sei „völlig klar“, sagte Peskow nach Angaben der Nachrichtenagentur TASS. Im Mittelpunkt stünden die bilateralen Beziehungen, die er als „besondere Beziehungen einer privilegierten strategischen Partnerschaft“ bezeichnete. Hinzu kämen internationale Themen - vor allem die Folgen des Iran-Kriegs und der Stand der Verhandlungen um die Ukraine. Putin hoffe, von Xi „aus erster Hand“ zu erfahren, was dieser mit Trump besprochen habe.
Die Tagesordnung ist klar. An erster Stelle stehen unsere bilateralen Beziehungen, die besondere Beziehungen einer privilegierten strategischen Partnerschaft sind.
Öl, Gas und ein Ein-Tages-Besuch
Wirtschaftlich ist die Visite für Moskau von großer Bedeutung. Der bilaterale Handel mit China überstieg zuletzt 200 Milliarden Dollar im Jahr, seit westliche Sanktionen weite Teile des europäischen Geschäfts gekappt haben. Putin selbst hatte am 9. Mai angekündigt, sein Besuch werde einen „ernsthaften und substanziellen Schritt“ in der Energiekooperation bringen. In Moskau wird das als Hinweis auf neue Verträge für die Lieferung von Öl und Gas verstanden, über die seit Jahren verhandelt wird - allen voran die lange umstrittene Pipeline „Power of Siberia 2“.
Im Unterschied zu Trumps dreitägiger Visite mit Staatsbankett und großem Empfang vor der Großen Halle des Volkes ist Putins Stippvisite laut der Hongkonger Zeitung als eintägiger Arbeitsbesuch geplant. Diplomaten in Peking beschrieben den Termin als Routine. Eine offizielle Bestätigung aus Peking steht aus; das chinesische Außenministerium ließ eine Anfrage zur Reise unbeantwortet.
Für Moskau hat der Besuch dennoch hohen Symbolwert. Es wäre Putins zweite Reise nach China innerhalb eines Jahres und unterstreicht die wachsende Abhängigkeit Russlands von Peking. Welche Position Xi seinem Gast zur Ukraine vermittelt - und ob sich die Konturen einer von Trump in Peking angedeuteten Friedensinitiative abzeichnen - dürfte zu den Fragen gehören, die in Moskau am aufmerksamsten ausgewertet werden.