Marco Rubio, Subrahmanyam Jaishankar, Penny Wong und Toshimitsu Motegi haben am Dienstag in Neu-Delhi drei neue Indopazifik-Initiativen vorgestellt. Bei ihrem Außenministertreffen einigte sich die sogenannte Quad-Gruppe auf einen Rahmen für kritische Mineralien, eine Kooperation zur maritimen Überwachung und den Ausbau eines Hafens auf Fidschi - das erste gemeinsame Infrastrukturprojekt der vier Länder, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete.

Das von US-Außenminister Rubio angekündigte „Quad Critical Minerals Framework“ soll die Lieferketten für strategische Rohstoffe wie Lithium oder seltene Erden absichern. Die vier Staaten wollen Investitionen koordinieren und auch das Recycling stärken, heißt es in der Erklärung des indischen Außenministeriums. Parallel startet die „Indo-Pacific Maritime Surveillance Cooperation Initiative“, die laut Rubio die Aufklärungskapazitäten der vier Länder zusammenführen und den Echtzeitaustausch von Daten verbessern soll. Der Hafenausbau auf Fidschi ist Quads erstes physisches Infrastrukturvorhaben in der Region.

„Wir sind dieser Partnerschaft tief verpflichtet. Sie ist ein Eckpfeiler unserer globalen Strategie als Nation“, sagte Rubio in Neu-Delhi, wie AP berichtet. Vor seinem Abflug nach Indien hatte der frühere Senator aus Florida seinem indischen Kollegen versichert: „Sie sind ein großartiger Verbündeter, ein großartiger Partner“, zitiert ihn das Handelsblatt.

Die Verantwortlichkeiten der Quad werden entsprechend wachsen, und wir müssen uns darauf vorbereiten.
- Subrahmanyam Jaishankar, indischer Außenminister, gegenüber AP

Gastgeber Jaishankar bezeichnete die Gespräche als „Übung von beträchtlichem Wert“ und mahnte zur Vorbereitung auf größere Aufgaben. Australiens Außenministerin Penny Wong erklärte, alle vier Länder teilten „die Vision eines freien und offenen Indopazifiks“. Konkret verwies sie auf die Freiheit der Schifffahrt und die Ablehnung jeglicher Mautansprüche in internationalen Gewässern - eine kaum verhüllte Anspielung auf Pekings Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer.

Peking warnt vor Blockkonfrontation

Die chinesische Reaktion folgte umgehend. Die Sprecherin des Außenministeriums, Mao Ning, warnte vor „exklusiven Kleingruppen oder Blockkonfrontation“, Kooperation dürfe sich nicht „gegen Drittländer richten“. Offiziell richtet sich die Quad gegen kein bestimmtes Land, das ist seit der Gründung 2007 und der Reaktivierung 2017 die Sprachregelung der vier Hauptstädte. Doch ihre Aufzählung von Themenfeldern - kritische Mineralien, Hafenketten im Pazifik, maritime Überwachung - zielt klar auf Chinas wachsende Reichweite im Indopazifik.

Rubios viertägige Reise nach Indien diente zugleich der Schadensbegrenzung im bilateralen Verhältnis. „Die Beziehungen zwischen den USA und Indien wurden zuletzt durch Handelskonflikte sowie die Annäherung der USA an Indiens Rivalen Pakistan und China belastet“, berichtet das Handelsblatt. Präsident Donald Trump hat indische Exporte mit Zöllen belegt, parallel hat Washington Kontakte zu Islamabad ausgebaut. Für Premierminister Narendra Modi ist die Quad ein Forum, in dem Indien ohne formale Bündnispflichten Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen verzahnen kann - ein Spielraum, den die formellen Allianzen Japans und Australiens mit den USA so nicht bieten.

Gipfel der Staatschefs noch im Jahresverlauf geplant

Die vier Hauptstädte arbeiten nach AP-Angaben auf einen Gipfel der Staats- und Regierungschefs noch in diesem Jahr hin, ein Termin steht aber nicht fest. Zusätzlich soll später 2026 in den USA ein Forum zur Energiesicherheit der Quad-Gruppe stattfinden, das die regionalen Brennstoff- und Stromlieferketten absichern soll. Für die Bundesregierung, die zuletzt beim G7-Format eine eigene Indopazifik-Linie skizziert hatte, ist das Quad-Treffen ein Signal: Die Vier wollen aus dem Dialogforum eine handlungsfähige Plattform machen, und sie tun das ohne europäische Beteiligung.