Die Spendenaktion für die Beerdigung des am Montag verstorbenen Schauspielers Ralf Richter ist am Donnerstagnachmittag beendet worden. Auf der Plattform GoFundMe waren binnen weniger Stunden 21.509 Euro von 821 Unterstützern zusammengekommen, wie oe24 unter Berufung auf die Familie berichtet. Sohn Maxwell Richter habe die Initiatorin, eine enge Familienfreundin, gebeten, die Kampagne zu stoppen.

Wie wir gestern berichteten, hatte die Familie am Mittwoch über Instagram um Hilfe bei den Bestattungskosten gebeten. Das ursprüngliche Ziel von 8.000 Euro wurde am Donnerstagvormittag auf 10.000 Euro angehoben, ehe die Summe binnen weniger Stunden ein zweites Mal überschritten wurde. Gegen 14.30 Uhr sei die Sammlung geschlossen worden, so t-online, das die Zahlen der Plattform am Donnerstag um 14.15 Uhr dokumentiert hatte.

Mehr brauchen wir nicht. Es soll nicht obszön werden, denn wir beabsichtigen nicht, uns mit dem Geld eine schöne Zeit zu machen.
- Maxwell Richter, gegenüber t-online

Die Kampagne war innerhalb weniger Stunden zum Politikum geworden, weil Ralf Richter mit Rollen in „Das Boot“ (1981) und „Bang Boom Bang“ (1999) zu den bekanntesten Charakterdarstellern des deutschen Kinos zählte. In Kommentarspalten und auf Boulevardseiten wurde die Frage aufgeworfen, warum die Familie eines Kinostars auf Crowdfunding zurückgreifen muss. Muriel Tacke, die den Aufruf angestoßen hatte, wies Spekulationen über die Finanzen der Familie zurück. „Ich verstehe, dass eine Spendenaktion für eine öffentliche Person Fragen aufwerfen kann. Spekulationen über die finanzielle Lage der Familie kann ich aber nicht nachvollziehen“, sagte sie t-online.

Überschuss geht an Obdachlosenprojekte

Maxwell Richter, der selbst als Schauspieler arbeitet, erklärte, was mit dem Geld über die Beerdigungskosten hinaus geschehen solle. Der Überschuss solle an Hilfsprojekte für Obdachlose gespendet werden. „Wir geben bereits alles, was wir können“, sagte er gegenüber Promiflash. Auf die Frage, warum die Familie den Aufruf öffentlich gemacht habe, verwies der Sohn auf den Wunsch nach einer angemessenen Trauerfeier: „Ich wünsche mir eine größere, pietätvolle Trauerfeier - keine Party mit Champagner-Brunnen, sondern eine Würdigung, die seinem Lebenswerk angemessen ist.“

Beigesetzt werden soll Ralf Richter in Bochum. „Das hätte sich Papa gewünscht“, zitiert oe24 den Sohn. Der Schauspieler war am 15. September in seiner Kölner Wohnung im Alter von 69 Jahren an den Folgen einer langjährigen Lungenerkrankung gestorben. Einen genauen Termin für die Trauerfeier hat die Familie bislang nicht bekannt gegeben; sie hatte am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit Tochter Aline um Ruhe zum Abschied gebeten.

Die Debatte um den Spendenaufruf verweist auf ein wiederkehrendes Muster im deutschen Filmgeschäft. Nach den Hauptrollen der frühen Karrierejahre folgten für Richter vor allem Nebenrollen und Fernsehauftritte, dazu Auftritte an Boulevardtheatern; die Einkommensverhältnisse zwischen Kinogagen und regulären Ensemble-Engagements klaffen weit auseinander. Dass eine spontane Solidaritätsaktion innerhalb eines Tages das Vielfache des Zielbetrags einbringt, ist in dieser Größenordnung dennoch ungewöhnlich.