Am 28. August jährt sich das schwerste Flugtagunglück in der deutschen Nachkriegsgeschichte zum 38. Mal. Zwei Tage vor dem Jahrestag zeigte die ARD am Mittwochabend zur besten Sendezeit den Spielfilm „Ramstein - Das durchstoßene Herz“ von Regisseur Kai Wessel, der die Katastrophe vom 28. August 1988 aus der Perspektive von Angehörigen, Verletzten und Rettungskräften nacherzählt.

Bei der Flugschau auf der US-Airbase Ramstein waren an jenem Sonntag drei Maschinen der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricolori in rund 50 Metern Höhe zusammengestoßen. Ein brennendes Wrack stürzte 300 Meter vor der Tribüne in die Zuschauermenge. 70 Menschen starben, darunter 66 Besucher, ein Hubschrauberpilot und die drei italienischen Flugzeugführer. Rund 1.000 Menschen wurden verletzt, etwa 450 mussten im Krankenhaus behandelt werden. Als Ursache dokumentierte die Untersuchung später ein zu enges und zu tiefes Einleiten des Kunstflugmanövers durch den Solopiloten Ivo Nutarelli.

Die Bundesregierung reagierte binnen Stunden. Schon am 29. August 1988 verhängte das Verteidigungsministerium ein Verbot für alle militärischen Kunstflugvorführungen über deutschem Boden. Drei Jahre später wurden solche Programme mit strengen Auflagen wieder zugelassen: höherer Mindestabstand zum Publikum, keine auf die Zuschauer gerichteten Manöver, freigegebene Choreographien. Die US-Airbase Ramstein hielt seitdem keine öffentliche Flugschau mehr ab.

„Das durchstoßene Herz“: Vier Familien, ein Sanitäter

Wessels Film, entstanden 2022 nach einem Drehbuch von Holger Karsten Schmidt, verzichtet auf Rekonstruktionsspektakel. Er erzählt fiktionalisiert das Schicksal von vier Familien und eines Notfallsanitäters, der die Bilder nicht mehr loswird. In den Hauptrollen: Max Hubacher, Trystan Pütter und Elisa Schlott. Der Filmdienst attestiert Wessel ein „virtuoses Spiel mit unterschiedlichen Zeitebenen“; Zeitzeugen und Überlebende arbeiteten als Berater an der Produktion mit und sind in der Schlussszene selbst zu sehen.

In Ramstein-Miesenbach selbst fällt der Jahrestag inzwischen leise aus. Die 1989 auf Initiative der Psychologen Sybille und Hartmut Jatzko sowie des Rettungssanitäters Heiner Seidlitz gegründete Nachsorgegruppe hatte 2018 angekündigt, nach dem 30. Jahrestag keine offiziellen Gedenkfeiern mehr auszurichten. Bürgermeister Ralf Hechler legt seitdem jedes Jahr am Gedenkstein in der Hofwiese und am Mahnmal auf der Airbase Blumen nieder.

Die Katastrophe wirkt bis heute in der deutschen Katastrophenmedizin nach. Sie führte zum Aufbau einer strukturierten psychosozialen Notfallversorgung; die Diagnose posttraumatische Belastungsstörung fand über die Erfahrungen der Überlebenden vergleichsweise früh Eingang in die deutsche Fachöffentlichkeit. Wessels Film läuft laut Filmdienst noch bis Ende August 2027 in der ARD-Mediathek.