Anthony Fauci hat am Mittwoch im US-Senat die Aussage verweigert. Der ehemalige Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases berief sich vor dem Homeland Security and Governmental Affairs Committee auf den fünften Verfassungszusatz und beantwortete nach übereinstimmenden Berichten von NBC News, ABC News und Fortune mindestens 100 Mal keine Frage. Es war das erste Mal in über vier Jahrzehnten seiner Karriere, dass Fauci in einer Kongressanhörung die Aussage verweigerte.

Der Vorsitzende des Ausschusses, der republikanische Senator Rand Paul aus Kentucky, hatte Fauci per Subpoena vorgeladen und will die Rolle der US-Gesundheitsbehörden bei der Finanzierung sogenannter Gain-of-Function-Forschung am Wuhan Institute of Virology aufklären. Der Ausschuss stützt sich dabei auch auf ein persönliches Tagebuch Faucis, das Paul vor der Anhörung ungeschwärzt veröffentlicht hatte.

In seiner Eröffnungserklärung machte Fauci deutlich, warum er schweige. „Obwohl es mich schmerzt, dies zu tun, wegen des Respekts, den ich vor der Legislative habe, und meiner jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit dem Kongress, werde ich auf Rat meiner Anwälte mein Recht aus dem fünften Verfassungszusatz in Anspruch nehmen“, zitierten Time und NPR den 85-Jährigen. Paul verfolge eine „offensichtliche Obsession“ damit, ihn hinter Gitter zu bringen, sagte Fauci. Die einzige denkbare Schlussfolgerung sei, dass Paul ihn zu einer Aussage bringen wolle, die er später für eine Meineids-Anklage nutzen könne.

There's no risk to perjury if you tell the truth. The only thing he can't do is lie again.
- Rand Paul, Ausschussvorsitzender, im Hearing (Time)

Paul wies die Vorwürfe zurück. Ein Meineid drohe nur, wer lüge, sagte er nach Angaben von Time. Die präventive Begnadigung, die der frühere Präsident Joe Biden Fauci in seinen letzten Amtsstunden im Januar 2025 erteilt hatte, schütze zwar vor strafrechtlicher Verfolgung, „schreibt aber die Geschichte nicht um“. Die Begnadigung deckt laut Fortune Faucis Amtszeit vom 1. Januar 2014 bis zum 19. Januar 2025 ab.

Anwalt aus dem Saal, Contempt-Votum angekündigt

Der Ton in der Anhörung war scharf. Paul liess Faucis Hauptanwalt aus dem Saalgehen, was Fauci mit einem knappen Hinweis auf sein halbes Dutzend weiterer Rechtsberater quittierte. Am Ende der Sitzung kündigte Paul an, kommende Woche im Ausschuss über einen Contempt-Antrag gegen Fauci abstimmen zu lassen. Ein solcher Beschluss würde den Fall dem gesamten Senat und potenziell dem Justizministerium vorlegen.

Der ranghöchste Demokrat im Ausschuss, Senator Gary Peters aus Michigan, kritisierte die Sitzung als „kontraproduktiv“. Statt aus den Erfahrungen der Pandemie für künftige Krisen zu lernen, verhandele die Mehrheit die Vergangenheit neu, sagte Peters. Ein solches Vorgehen halte künftige Fachleute davon ab, in den öffentlichen Dienst zu wechseln.

FBI, Wuhan und ein alter Konflikt

Paul erklärte in einem Interview mit Fox News, er arbeite mit FBI-Direktor Kash Patel zusammen, um „Faucis Amtsmissbrauch“ und den „umfassenden Covid-Cover-up“ zu untersuchen. Der Streit zwischen dem Senator und dem Immunologen begleitet die US-Politik seit 2020. Kern des Vorwurfs ist die Frage, ob das NIH indirekt Forschung an Coronaviren in Wuhan mitfinanziert hat, aus der sich SARS-CoV-2 entwickelt haben könnte. Fauci hat das stets bestritten.

Auch die deutsche Berichterstattung nahm die Anhörung auf. Die Berliner Zeitung sprach von einem „Paukenschlag in Washington“. Auf europäischer Seite gilt der Streit als Fortsetzung des innenpolitischen Grabens in den USA über die Aufarbeitung der Pandemie. Ob es zu einer strafrechtlichen Verfolgung Faucis kommt, hängt trotz aller republikanischer Ankündigungen an der Bidenschen Begnadigung, die genau diesen Zeitraum abdeckt.