Der VfL Wolfsburg und Hertha BSC haben sich am Montagvormittag auf den Wechsel von Fabian Reese zum Liga-Konkurrenten geeinigt. Wie Sky-Reporter Florian Plettenberg meldete und die dpa unter Berufung auf den Kicker bestätigte, zahlt Wolfsburg eine Ablöse von bis zu neun Millionen Euro für den 28-jährigen Hertha-Kapitän. Reese unterschreibt einen Vertrag bis 2030, der Medizincheck steht in den kommenden Tagen an.
Wolfsburg ist erst vor drei Wochen erstmals in der Vereinsgeschichte aus der Bundesliga abgestiegen, Reese stand in der vergangenen Zweitliga-Saison als Topscorer der Berliner im Kader. In der 2. Bundesliga 2026/27 treffen damit zwei der finanzstärksten Aufstiegskandidaten direkt aufeinander - und einer von ihnen kauft seinen prominentesten Gegenspieler ab. Angebote aus der Bundesliga und aus der Türkei lagen Reese laut Sport BILD vor, der gebürtige Kieler entschied sich gegen die ranghöhere Liga und für das Wolfsburger Aufstiegsprojekt.
Verantwortet wird der Transfer auf VfL-Seite von Dieter Hecking, der Anfang Juni vom Trainer- in den Manager-Stuhl rückte und seither als Geschäftsführer Sport den Kaderumbau steuert. „Keine Mondpreise“ hatte Hecking laut „Bild“ als Devise für den Kaderumbau ausgegeben - bei Reese geht der Klub trotzdem an die obere Schmerzgrenze, weil der Linksfuß im Profil als Torjäger und Anführer beides liefert, was die Aufstiegsmission unter dem neuen Trainer Tobias Strobl braucht.
Keine Mondpreise.
Hertha verliert binnen Wochen die zweite Identifikationsfigur. Mittelfeldspieler Kennet Eichhorn ging Mitte Juni für knapp zehn Millionen Euro zu Bayer Leverkusen, zuvor hatte sich Ibrahim Maza in dieselbe Richtung verabschiedet. Der Reese-Erlös soll laut Rhein-Zeitung in Zugänge und in den Etat fließen, neben dem Kapitän stehen auch Torhüter Tjark Ernst und Marton Dardai auf der Abgangsliste. Trainer Stefan Leitl hatte Reese in der vergangenen Saison zum Spielführer gemacht, Sportdirektor Benjamin Weber muss den Posten in den kommenden Wochen neu besetzen.
Vom Schalker Bankspieler zum 9-Millionen-Mann
Reese kam 2023 ablösefrei von Holstein Kiel nach Berlin, davor hatte der gebürtige Kieler 13 Bundesliga-Partien für den FC Schalke 04 absolviert - meist von der Bank. In knapp drei Jahren bei Hertha kommt er auf 35 Tore und 31 Vorlagen in 91 Pflichtspielen. Die abgelaufene Zweitliga-Saison schloss er mit zehn Treffern und 13 Assists ab, eine Bilanz, die ihn nach Berliner Berichten zum Topscorer der Mannschaft machte.
Wolfsburg, dessen Volkswagen-Zuschuss nach dem Abstieg von 80 auf rund 55 Millionen Euro gekürzt wurde, setzt auf wenige, gezielte Investitionen statt eines kompletten Schrotschuss-Umbruchs. Strobl, im Mai vom Drittligisten SC Verl verpflichtet und mit Vertrag bis 2028 ausgestattet, plant offen mit Reese auf dem linken Flügel. Sport BILD nennt eine Auflage aus den Verhandlungen: Reese habe zugesichert, den Wechsel auch dann mitzutragen, falls die ursprüngliche Klausel-Bedingung Klassenerhalt nicht greife. Genau das traf ein - der Spieler hielt sein Wort.
Eine offizielle Bestätigung beider Klubs steht noch aus, die Schriftform muss finalisiert werden. Geht der Medizincheck planmäßig durch, könnte Reese am kommenden Wochenende beim VfL-Trainingsauftakt einsteigen. Die 2. Bundesliga 2026/27 startet am 1. August - ein Wiedersehen mit Hertha steht damit automatisch im Spielplan der Hinrunde.