Am Landgericht Wuppertal hat am Montag der Prozess gegen drei Männer begonnen, die in der Remscheider Innenstadt ein Kriegswaffenarsenal ungeahnten Ausmaßes angelegt haben sollen. Rund 300 scharfe Schusswaffen, darunter 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen und 13 Panzerabwehrwaffen, hatten Ermittler im Oktober 2025 in versteckten Kammern unter einer Autowerkstatt an der Elberfelder Straße gefunden. Dazu 38 Handgranaten und knapp 100.000 Schuss Munition. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem der größten Kriegswaffenfunde der zurückliegenden Jahrzehnte in Deutschland.
Zum Prozessauftakt erklärte der Verteidiger des 35-jährigen Angeklagten: „Mein Mandant räumt die Vorwürfe ein. Die Anklage ist insoweit zutreffend.“ Auch der Anwalt des 38-Jährigen signalisierte, sein Mandant sei „grundsätzlich zu einer Aussage bereit“. Der 60-jährige Hauptangeklagte, ein gelernter Kfz-Mechaniker mit Büchsenmacher-Kenntnissen, äußerte sich zunächst nicht zur Sache. Verhandelt wird nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz und dem Waffengesetz; die Strafandrohung reicht bis zu zehn Jahren Haft.
Nach nichtöffentlichen Verständigungsgesprächen stellte die Kammer unter Vorsitz von Richter Alexander Schräder für den Fall vollständiger Geständnisse Strafrahmen in Aussicht: Für den Hauptangeklagten sieben bis acht Jahre, für den 38-Jährigen drei Jahre und drei Monate bis vier Jahre, für den 35-Jährigen zwei bis drei Jahre. Das berichten unter anderem t-online und die Rhein-Neckar-Zeitung übereinstimmend aus der Verhandlung.
Das ist total irre. So etwas habe ich in meiner gesamten Laufbahn noch nicht gesehen.
Museum, geheime Kammern, Autobahn-Zugriff
Aufgeflogen war das Trio nach dem Verkauf eines Revolvers an einem Marktkiosk. Am 26. Oktober 2025 stoppten Spezialkräfte den 60-Jährigen auf der Autobahn 1 bei Remscheid, rund 200 Beamte durchsuchten anschließend tagelang den Gebäudekomplex an der Elberfelder Straße. Hinter Trennwänden fanden sie museal anmutende Räume voller Uniformen, Fotos und Propagandamaterial aus dem Zweiten Weltkrieg, dahinter immer neue Waffenverstecke - versteckte Schließmechanismen, hohle Türrahmen, Munition in Wandnischen. Der Asservatenraum der Polizei reichte für den Fund nicht aus, wie der Wuppertaler Polizeipräsident Markus Röhrl bei einem Besuch im Herbst festhielt.
Nach Darstellung der Anklage soll der Werkstattbetreiber sechs Maschinenpistolen und einen Revolver an den 38-Jährigen verkauft haben, der die Waffen mit Hilfe des 35-Jährigen weiterreichte. Ein verdeckter Ermittler kam über einen Mittelsmann an die Gruppe heran. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein weit größerer Handel dahintersteht: Ein Zeuge in Polen habe bestätigt, dem Hauptangeklagten in erheblichem Umfang Kriegswaffen geliefert zu haben. Der Prozess ist auf zehn Verhandlungstage bis zum 23. September 2026 angesetzt, der nächste Termin ist der 15. Juli.