Vor dem Wuppertaler Landgericht hat am Montagmorgen der Prozess um eines der größten illegalen Waffenlager in der Geschichte der Bundesrepublik begonnen. Angeklagt sind ein 60 Jahre alter mutmaßlicher Waffenhändler aus Remscheid sowie zwei 35 und 38 Jahre alte Mitangeklagte, denen die Staatsanwaltschaft Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz vorwirft. Die Wuppertaler Staatsanwaltschaft berichtete noch vor Verhandlungsbeginn von einem neuen Zeugen, der bei einer Vernehmung in Polen aussagte, der Hauptangeklagte habe „mit einer dreistelligen Zahl an Waffen gehandelt“ - Waffen, die bislang nicht sichergestellt werden konnten.

Ausgangspunkt war ein Zugriff der Polizei Ende Oktober in Remscheid. Nach einem von verdeckten Ermittlern an einem Kiosk eingefädelten Scheinkauf wurde der 60-Jährige auf der A1 in seinem Auto gestoppt und festgenommen. Zeitgleich begann die Durchsuchung seiner Werkstatt. Ermittler fanden dort zunächst zahlreiche Gewehre aus dem Zweiten Weltkrieg samt Munition und Sprengmitteln - und hinter eingezogenen Wänden drei weitere geheime Waffenkammern. Sichergestellt wurden nach Angaben der Wuppertaler Staatsanwaltschaft rund 300 scharfe Schusswaffen und 100.000 Schuss Munition.

So etwas habe ich noch nicht gesehen.
- Polizeipräsident Markus Röhrl bei einem Besuch am Fundort, tagesschau

Der Anklage zufolge lagerte der 60-Jährige die Waffen zum Verkauf. In den Räumen fanden die Ermittler laut der Westdeutschen Zeitung unter anderem 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen und elf Revolver. Der Hauptangeklagte soll dem 38-jährigen Mitangeklagten sechs Maschinenpistolen und einen Revolver samt Munition verkauft haben; dieser habe die Waffen teilweise gemeinsam mit dem 35-Jährigen weiterverkauft. Bekannt war bislang nur ein mutmaßlicher Abnehmer im westfälischen Hamm.

Hohe Haftstrafen möglich

Die Katalogisierung des Fundes beschäftigte die Polizei über Wochen. „So etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagte Polizeipräsident Markus Röhrl der tagesschau bei einem Besuch vor Ort. Die sichergestellten Waffen und die historischen Gewehre werden nach WDR-Angaben derzeit an einem geheimen Ort gelagert; über die weitere Verwendung ist bislang nichts entschieden. Waffensammler hatten laut Bericht bereits nach den Durchsuchungen Interesse bekundet.

Zumindest dem Hauptangeklagten dürfte bei einer Verurteilung nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz eine mehrjährige Haftstrafe drohen. Für den Prozess sind zunächst mehrere Verhandlungstage angesetzt; die Wuppertaler Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass der neue Zeuge aus Polen im Verlauf des Verfahrens gehört wird.