Renault-Chef François Provost hat am Samstag im französischen Radiosender France Inter angekündigt, dass sein Konzern in den kommenden fünf Jahren mehr als zehn Milliarden Euro in die französische Produktion stecken wird. Das Geld soll in Elektromobilität und in günstigere Modelle fließen. Nach Angaben des Handelsblatts und von Investing.com knüpft der im Juli 2025 angetretene CEO die Zusage ausdrücklich an Bedingungen, wie der Konzern selbst in einer begleitenden Mitteilung bestätigte.
In den kommenden fünf Jahren werden wir, sofern der soziale und politische Kontext es zulässt, erneut mehr als 10 Milliarden Euro investieren, um die Elektromobilität weiter voranzutreiben und Autos erschwinglicher zu machen.
In den vergangenen fünf Jahren hatte Renault laut Investing.com bereits rund 13 Milliarden Euro in die Umstellung seiner französischen Werke auf Elektroantrieb gesteckt. 2025 liefen an den französischen Standorten des Konzerns rund 500.000 Fahrzeuge vom Band. Für 2026 rechnet Provost mit einem Produktionsplus von mindestens 25 Prozent, getragen vom Hochlauf der neuen Elektromodelle wie dem Renault 5 E-Tech. „Wir produzieren heute in den französischen Werken mehr Fahrzeuge als zuvor“, sagte Provost dem Sender France Inter.
Hintergrund der Ansage ist eine für die europäische Autoindustrie überraschend starke Elektro-Nachfrage. Im September erreichten batterieelektrische Pkw in Frankreich einen Marktanteil von 42 Prozent an den Neuzulassungen - ein Rekord. Als Treiber nennen das Handelsblatt und das Fachportal Wirtschaft und Industrie übereinstimmend die seit dem Iran-Konflikt deutlich gestiegenen Spritpreise sowie die seit Jahresanfang verschärften Flottengrenzwerte der EU. Deutsche Hersteller wie Volkswagen und Mercedes-Benz hatten zuletzt Produktionskürzungen und Werksschließungen angekündigt, auch weil der Elektro-Absatz in Deutschland langsamer anläuft als in Frankreich.
Forderung nach regulatorischer Verlässlichkeit
Zugleich forderte Provost im Radiointerview ein zehnjähriges Moratorium für neue EU-Vorschriften zur Elektromobilität. Die jüngsten Jahre seien durch ständig geänderte Vorgaben geprägt gewesen, was Planungssicherheit koste. Die Autobranche in Frankreich kämpft parallel mit einer instabilen innenpolitischen Lage: Seit Monaten gelingt es wechselnden Regierungen in Paris nicht, einen tragfähigen Haushalt für 2026 durchs Parlament zu bringen. Branchenverbände hatten zuletzt vor Investitionszurückhaltung gewarnt, sollte die politische Blockade andauern.
Parallel zur Frankreich-Zusage treibt Renault das Geschäft in Südamerika voran. Gemeinsam mit dem chinesischen Partner Geely, der 26,4 Prozent an Renault do Brasil hält, kündigten beide Seiten laut Wirtschaft und Industrie zusätzliche Investitionen von rund 319 Millionen Euro in das brasilianische Geschäft an. Ein neues elektrifiziertes Modell und eine Hybridantriebsreihe sollen dort 2027 anlaufen. Provost arbeitet seit 2002 bei Renault und hatte Ende Juli 2025 die Nachfolge des zu Kering gewechselten Luca de Meo angetreten.