Am Montag öffnet in Berlin die 19. re:publica. Von 18. bis 20. Mai treffen sich in der STATION Berlin nach Angaben der Veranstalter mehr als 1.000 Vortragende auf über 20 Bühnen - es ist die größte Konferenz zur digitalen Gesellschaft in Europa. Das Motto der Ausgabe 2026 ist als Ansage gemeint: „Never Gonna Give You Up“.

Hinter dem Ohrwurm steckt eine politische Setzung. „Es ist nicht nur das Motto der re:publica 26 - wir verstehen es auch als Haltung“, schreibt das Team in seiner Motto-Erklärung. Der Satz sei „mehr als ein nostalgischer Ohrwurm oder ein lustiges Meme“. In einer Zeit, in der Algorithmen Meinungen formten, Plattformen Politik machten und Künstliche Intelligenz die Wahrnehmung von Wirklichkeit präge, setze die Konferenz einen Gegenentwurf: Demokratie und ein offenes Netz gebe man nicht auf, „ebenso wenig wie die Pressefreiheit und alle anderen Freiheiten, die ein Rechtsstaat garantiert“.

Es ist eine Erinnerung daran, warum es sich lohnt, sich einzusetzen - für Vielfalt, Teilhabe und Menschlichkeit.
- re:publica, Motto-Erklärung zur #rp26

Das Programm bündelt nach Darstellung des Fachmagazins CIM vier Schwerpunkte: digitale Souveränität und Plattformregulierung, die Rolle von KI-Systemen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und neue Formen der Zusammenarbeit sowie kulturelle und mediale Entwicklungen. Kuratorischer Partner ist unter anderem das spendenfinanzierte Recherchemedium netzpolitik.org, das die Konferenz seit Jahren mit einem eigenen Track begleitet.

Von Angela Merkel bis Karen Hao

Für Montagmittag ist laut Programm ein Auftritt der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt. International stehen die KI-Buchautorin Karen Hao, der Autor und Aktivist Cory Doctorow, die Tech-Journalistin Taylor Lorenz, die Künstlerin Hito Steyerl, der Historiker Quinn Slobodian sowie der Datenschutz-Jurist Max Schrems auf den Bühnen. Aus Deutschland angekündigt sind die Soziologin Jutta Allmendinger im Gespräch mit Kevin Kühnert, die Journalistin Gilda Sahebi, der Demokratieforscher Matthias Quent und die HateAid-Geschäftsführerinnen Josephine Ballon und Anna-Lena von Hodenberg.

Im netzpolitik.org-Programm seziert Constanze Kurz die Analysesoftware von Palantir als Grundrechtsfrage, Ingo Dachwitz stellt eine zweijährige Recherche zum Handel mit Standortdaten vor, und Erik Tuchtfeld und Svea Windwehr ziehen Bilanz über das erste Jahr der Überwachungsvorhaben der Bundesregierung. Auch ARD und ZDF sind mit eigenen Bühnenformaten vertreten und diskutieren über Auftrag, Akzeptanz und Algorithmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Berlin als Gastgeber

Das Land Berlin tritt mit einem Gemeinschaftsstand von Senatskanzlei, CityLAB und mobilem Bürgeramt auf, im Programm angekündigt sind unter anderem die DSGVO-konforme Verwaltungs-KI BärGPT und das Beteiligungswerkzeug Kiezradar. „Die digitale Transformation der Verwaltung geht voran“, erklärte der Chief Digital Officer und Staatssekretär für Digitalisierung, Matthias Hundt, in der Mitteilung der Senatskanzlei. Parallel zur re:publica läuft in der STATION die Jugendkonferenz TINCON für 13- bis 25-Jährige; die Akkreditierung der Pre:publica startete bereits am Sonntagnachmittag.

Die re:publica war im Vorjahr ausverkauft; das Fachmagazin CIM rechnet erneut mit mehr als 30.000 Besucherinnen und Besuchern. Die wichtigsten Bühnen werden wie in den Vorjahren live ins Netz übertragen.