Ein Großbrand im Umspannwerk Reutlingen-West hat in der Nacht zum Montag rund 7.600 Haushalte vom Stromnetz getrennt. Das Feuer brach gegen 1.45 Uhr aus, betroffen waren laut Netzbetreiber Netze BW rund 30.000 Menschen in den Reutlinger Stadtteilen Betzingen und Ohnenhausen sowie im Industriegebiet Mark West, wie t-online berichtet. Rund 200 Einsatzkräfte hatten den Brand gegen 5 Uhr gelöscht, weite Teile des Stadtgebiets blieben aber über Stunden ohne Strom.
An der Anlage entdeckten Einsatzkräfte drei separate Brandstellen, dazu Schäden am Zaun und auf dem Gelände vor dem Werk. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Polizeisprecherin Tina Rempfer laut t-online, „wir prüfen, ob es ein technischer Defekt war oder Brandstiftung, fahrlässig oder vorsätzlich.“ Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg habe seine Brandsachverständigen hinzugezogen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Den Schaden bezifferte Netze BW auf einen Millionenbetrag.
Der Stromausfall traf auch das Klinikum am Steinenberg. Bis gegen 6 Uhr versorgte ein Notstromaggregat die Kreisklinik, wie eine Sprecherin der Reutlinger Stimme bestätigte. Zehn planbare Operationen wurden verschoben.
Vorsorglich bis heute Mittag haben wir alle planbaren Operationen verschoben.
Stadtspitze mahnt zur Vorsicht
Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) warnte gegenüber t-online davor, vorschnell Schlüsse zu ziehen: Drei gleichzeitige Brandherde belegten noch keine Brandstiftung, auch technische Ausfälle könnten parallele Feuer auslösen. Eine belastbare Prognose, wann die Stromversorgung wieder vollständig stehe, gebe es nicht; Schätzungen reichten bis zu 48 Stunden. Das Deutsche Rote Kreuz und der Malteser Hilfsdienst richteten in der Stadt Anlaufstellen ein, an denen Anwohner Handys laden und Babynahrung wärmen konnten.
Echo der Berliner Anschläge
Offizielle Hinweise auf einen politischen Hintergrund gibt es bislang nicht. Erinnerungen weckt der Brand dennoch an die Anschlagsserie auf Berliner Stromtrassen im vergangenen Jahr: Im September 2025 hatte ein mutmaßlich linksextremer Brandanschlag auf zwei Umspannwerke in Berlin nach Recherchen der Badischen Zeitung rund 50.000 Haushalte vom Netz genommen, im Januar 2025 hatte eine Attacke auf Hochspannungskabel eine vergleichbare Wirkung. Ob der Reutlinger Fall in dieses Muster passt, müssen die Ermittlungen des LKA zeigen.