Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) rechnet damit, dass der Rhein bis Ende August in kritischem Niedrigwasser bleibt. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Niedrigwasserproblematik im gesamten August uns noch erhalten bleibt“, sagte Bilger am Dienstag bei einem Betriebsbesuch in Neumünster. „Die Lage ist wirklich weiterhin sehr angespannt.“ Der Pegel Kaub, für die Binnenschifffahrt eine der wichtigsten Referenzmessstellen, lag zuletzt bei 17 Zentimetern; die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung erwartet zum Wochenende nur noch einen einstelligen Wert.
Bilger hatte bereits am Freitag vor einer Verschärfung gewarnt. Sinke der Rhein weiter, sei eine Zweiteilung des Stroms möglich, sagte er ZDFheute: „Das wäre natürlich nochmal eine weitere Verschärfung.“ Am Donnerstag zuvor hatte der Minister ein Spitzengespräch zu Niedrigwasser einberufen; Kammern, Reedereien und Bundesbehörden sondierten Maßnahmen von zusätzlichen Lagerkapazitäten bis zu einer beschleunigten Fahrrinnenvertiefung.
Das wäre natürlich nochmal eine weitere Verschärfung.
Als kurzfristige Entlastung greift jetzt eine Ausnahme, die Bilger vergangene Woche in Aussicht gestellt hatte: „Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass wir Sonn- und Feiertagsfahrverbote für Lkw aufheben, wenn es nötig sein sollte.“ Saarland, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen haben das Fahrverbot inzwischen ausgesetzt, damit Speditionen ausgefallene Schiffsladungen über die Straße transportieren können, wie merian.de und die Niederrheinische IHK berichten.
Industrie meldet Produktionsdrosselungen
Wie stark die Wirtschaft belastet ist, zeigt eine aktuelle Umfrage der Niederrheinischen IHK am Standort Duisburg: 78 Prozent der befragten Firmen melden gestiegene Logistikkosten, 33 Prozent fahren ihre Produktion herunter, sechs Prozent haben den Betrieb bereits vorübergehend eingestellt. 13 Prozent sehen die Zukunft ihres Standorts gefährdet. Die Kammer fordert vom Bund, die jährlichen Investitionen in die Wasserstraßen auf 2,5 Milliarden Euro anzuheben, mehr als eine Milliarde über dem aktuellen Ansatz.
Thyssenkrupp Steel Europe und die Chemieindustrie am Niederrhein hatten bereits Ende Juli Kleinwasserzuschläge und reduzierte Fahrten gemeldet. Betroffen sind laut Bilger neben dem Rhein auch Elbe und Donau. Für Mittwoch hat der Minister die Länderverkehrsminister zusammengerufen, um weitere Krisenmaßnahmen zu beraten. Über die Dauer der Niedrigwasserphase entscheidet aber das Wetter: Der Deutsche Wetterdienst rechnet auch für die kommenden zehn Tage mit nur vereinzelten Schauern über dem Rheineinzugsgebiet.