Die Right Livelihood Foundation hat am Mittwoch in Stockholm die diesjährigen Trägerinnen des Alternativen Nobelpreises bekanntgegeben. Ausgezeichnet werden die US-amerikanische KI-Ethikerin Timnit Gebru, die pakistanische Menschenrechtsanwältin Jalila Haider, die südafrikanische Rural Women's Assembly (RWA) und die Georgian Young Lawyers' Association (GYLA) aus Georgien. Aus rund 200 Nominierungen wählte die elfköpfige Jury dieses Jahr ausschließlich Frauen und Frauenorganisationen aus.
Gebru, in Äthiopien geboren und in den USA ausgebildet, leitete bis Dezember 2020 das Ethik-Team im KI-Bereich von Google und wurde nach der Veröffentlichung des Papers „On the Dangers of Stochastic Parrots“ entlassen, das die Risiken großer Sprachmodelle beschrieb. 2021 gründete sie das Distributed Artificial Intelligence Research Institute (DAIR), das Alternativen zu den Modellen der großen Tech-Konzerne erforscht. Die Right Livelihood Foundation hob hervor, dass Gebru dokumentiert, wie KI-Systeme marginalisierte Gruppen diskriminieren, und Transparenz sowie kritische Öffentlichkeit gegenüber Rechenzentren einfordert.
Ich hoffe, diese Auszeichnung zeigt anderen Wissenschaftler*innen und Ingenieur*innen, dass Wissenschaft Menschenrechte einbeziehen kann.
Drei weitere Preisträgerinnen aus Pakistan, Südafrika und Georgien
Jalila Haider, Anwältin aus der schiitischen Hazara-Minderheit in Quetta, bekommt den Preis für ihren Einsatz gegen ethnische Verfolgung, patriarchale Gewalt und staatliche Willkür in Pakistan. Die Rural Women's Assembly vernetzt seit 2009 mehr als 178.000 Frauen aus elf Ländern des südlichen Afrika und arbeitet zu Ernährungssouveränität, Landrechten und Selbstbestimmung. Die Georgian Young Lawyers' Association wiederum leistet in Georgien juristische Hilfe, dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und klagt gegen die Anti-NGO-Gesetze der Regierungspartei „Georgischer Traum“.
Stiftungsdirektor Ole von Uexküll erklärte in Stockholm, alle vier Ausgezeichneten stellten menschliche Grundwerte ins Zentrum ihres Handelns: „Von diesen Krisen profitieren nur wenige, die meisten leiden.“ Die Preisträgerinnen gäben „Menschen in der Krise eine Stimme“, zitierte die taz aus seiner Rede.
Die Preise werden am 1. Dezember 2026 in Stockholm überreicht. Der Right Livelihood Award wird seit 1980 vom deutsch-schwedischen Philatelisten Jakob von Uexküll gestiftet und gilt als eine der prominenten zivilgesellschaftlichen Ehrungen mit Bezug zum Nobelpreis-Umfeld - offiziell hat er mit der Nobelstiftung nichts zu tun, wird aber in derselben Woche wie die Nobelpreise bekanntgegeben.