Der Sommer 2026 ist nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) das tödlichste Hitzejahr in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen 1992. Rund 16.300 Menschen starben zwischen Juni und Anfang September infolge der hohen Temperaturen. Die Zahl wurde am Mittwoch zum Auftakt des 16. Extremwetterkongresses an der HafenCity Universität Hamburg vorgestellt. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte die Schirmherrschaft übernommen; rund 1.000 Fachleute nehmen laut Veranstalter an dem dreitägigen Kongress teil.
Den größten Anteil der Toten forderte die Hitzewelle Ende Juni. Allein in der 26. Kalenderwoche vom 22. bis 28. Juni schätzt das RKI rund 9.600 zusätzliche Sterbefälle. In Köln starben nach Angaben der Stadt an einem einzigen Wochenende 120 Menschen - viermal so viele wie üblich. In Coschen in Brandenburg wurde am 26. Juni ein neuer nationaler Temperaturrekord von 41,7 Grad Celsius gemessen. Eine zweite Hitzeperiode von Ende Juli bis Mitte August fügte nach RKI-Modellrechnung rund 4.500 weitere Todesfälle hinzu, der Rest verteilt sich auf einzelne heiße Tage im September.
Hitze ist selten eine alleinige Todesursache. Doch wir beobachten an heißen Tagen deutlich höhere Sterbefallzahlen als üblich, vor allem unter älteren Menschen.
Neun von zehn Toten sind älter als 65
Nach RKI-Angaben waren rund 90 Prozent der Hitzetoten älter als 65 Jahre, der weitaus größte Anteil in der Gruppe der über 85-Jährigen. Betroffen sind überproportional Frauen, vor allem in stationären Pflegeeinrichtungen. Das RKI ermittelt die Zahlen über einen Modellvergleich: Aktuelle Wochensterblichkeit wird mit dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2025 abgeglichen; als hitzebedingt gilt die Übersterblichkeit an Tagen mit Wochenmitteltemperatur über 20 Grad. Statistiker an der Heiden verwies auf einen Übergang, den Deutschland durchlaufe: „Regelmäßige Hitzewellen sind hierzulande neu, Gebäude und Gewohnheiten sind bislang nicht darauf eingestellt.“
Bereits im Juli hatte das RKI für die erste Hitzewelle rund 5.100 zusätzliche Sterbefälle veranschlagt. Die neue Schätzung fasst die Saison zusammen und übertrifft das bisherige Rekordjahr 2018 mit rund 8.500 Toten deutlich. Auf dem Kongress in Hamburg steht neben der Bilanz vor allem die Frage nach konkreten Konsequenzen im Fokus: kommunale Hitzeaktionspläne, Kühlräume für vulnerable Gruppen, verbindliche Pausenregeln in Arbeitsstätten. Zahlreiche Kommunen haben nach der Hitzesaison Nachbesserungen angekündigt, verpflichtende bundesweite Standards fehlen bislang.