Das Robert Koch-Institut hat am Donnerstag seinen aktuellen Wochenbericht zur hitzebedingten Sterblichkeit vorgelegt. Nach der Schätzung der Behörde sind zwischen Anfang April und dem 28. Juni bundesweit rund 5.100 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Der weit überwiegende Teil entfällt auf die Woche vom 22. bis 28. Juni, in der das nationale Wochenmittel nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes auf 26,4 Grad kletterte.
Für die Berechnung stützt sich das RKI auf die Sterberegister des Statistischen Bundesamts und Temperaturdaten von 52 DWD-Wetterstationen. Die Schätzunsicherheit reicht laut Bericht von 4.410 bis 5.850 hitzebedingten Todesfällen. Allein für die extreme Woche Ende Juni beziffert das Institut die Zahl auf rund 4.310 Tote. Das Statistische Bundesamt meldete in derselben Woche etwa 5.655 Sterbefälle mehr als im Dreijahresmittel, wie der Tagesspiegel berichtet.
Der Wert übertrifft die jüngere Vergangenheit deutlich. Zwischen 2023 und 2025 registrierte das RKI im Schnitt rund 2.900 Hitzetote pro Jahr. Historisch bleiben die Extremsommer 1994 und 2003 unerreicht, in denen laut RKI jeweils mehr als 10.000 Menschen in Deutschland an den Folgen der Hitze starben.
Über 85-Jährige tragen die Last
Die Altersverteilung zeigt, wo die Hitzewelle wirkt. Von den bis Ende Juni geschätzten Todesfällen entfielen rund 2.950 auf Menschen ab 85 Jahren, weitere 1.320 auf 75- bis 84-Jährige und etwa 550 auf 65- bis 74-Jährige. Unter 65 Jahren zählt das RKI rund 300 Fälle. Frauen sind stärker vertreten als Männer, was das Institut mit dem höheren Frauenanteil in den obersten Altersgruppen erklärt.
Für die Deutsche Stiftung Patientenschutz belegt die Bilanz vor allem eine Lücke im Alltag der Pflegeeinrichtungen. „Schon an einfachsten Maßnahmen wie Außenbeschattungen mangelt es“, sagte Vorstand Eugen Brysch dem Tagesspiegel. „Hitzeschutzpläne enden dort, wo der Patientenschutz Geld kostet.“ Die Stiftung fordert ein Bundesprogramm über 30 Milliarden Euro für Sanierungen in Kliniken und Heimen.
Hitzeschutzpläne enden dort, wo der Patientenschutz Geld kostet.
Bevölkerungsforscher relativieren die Zahlen nur teilweise. Sebastian Klüsener vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung verwies gegenüber t-online auf einen möglichen Verdrängungseffekt: Ein Teil der Betroffenen wäre demnach in den kommenden Wochen ohnehin gestorben. Auch das RKI schreibt in seinem Bericht, dass Hitze meist nicht die alleinige Todesursache ist, sondern in Kombination mit Vorerkrankungen wirkt.
Warnung vor einem Rekordjahr
Sollte im Verlauf des Sommers eine weitere vergleichbare Hitzephase auftreten, könnten „im Gesamtjahr historische Höchstwerte erreicht werden“, zitiert die taz aus dem Bericht. Das Wetter Ende Juni liefert den Kontext: In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni war es nach DWD-Angaben die wärmste Nacht seit Messbeginn, tagsüber überschritten 46 Stationen die Marke von 40 Grad. Ob 2026 in eine Reihe mit den Extremsommern 1994 und 2003 rutscht, entscheidet der weitere Wetterverlauf.