Der niederländische Fußballschiedsrichter Rob Dieperink ist tot. Der KNVB bestätigte den Tod des 38-Jährigen am Montag. Zur Todesursache machte der Verband keine Angaben; niederländische Medien berichteten unter Berufung auf die Polizei, es gebe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. Dieperinks letztes Spiel als Referee war am 11. Juli in einem Testspiel zwischen Go Ahead Eagles und Apollon Limassol.
„Mit Bestürzung und großer Trauer haben wir vom Tod von Rob Dieperink erfahren“, teilte der KNVB in einer Erklärung mit. Der Verband würdigte den Referee als „einen hochgeschätzten Unparteiischen mit internationaler Erfahrung, vor allem aber einen großartigen und engagierten Kollegen“. Das Mitgefühl gelte seiner Familie, seinen Freunden und allen, „die ihn geliebt haben“.
Dieperink gehörte seit 2017 zum Kader der Eredivisie, insgesamt leitete er nach KNVB-Angaben 284 Profispiele. International war er als Video-Assistent im Einsatz, unter anderem bei der EM 2024 in Deutschland und bei den Olympischen Spielen in Paris. Im Mai 2024 saß er beim Europa-League-Finale zwischen Atalanta und Bayer Leverkusen als Assistent im VAR-Team, im Dezember desselben Jahres arbeitete er beim FIFA Intercontinental Cup in Katar. Für die Weltmeisterschaft 2026 war er ursprünglich als VAR im Team des niederländischen Chefschiedsrichters Danny Makkelie nominiert.
Festnahme in Croydon, Verfahren eingestellt
Aus diesem Kader strich ihn die FIFA Mitte Mai ohne öffentliche Begründung. Zuvor war Dieperink am 9. April in London festgenommen worden, wenige Stunden nach seinem VAR-Einsatz im Conference-League-Halbfinale zwischen Crystal Palace und dem AC Florenz. Die Metropolitan Police ermittelte wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen, laut ESPN im Zusammenhang mit einem Vorfall in einem Haus an der Wellesley Road im Süd-Londoner Stadtteil Croydon. Die Ermittlungen wurden später mangels Beweisen eingestellt.
Dieperink hatte die Vorwürfe von Anfang an bestritten und sich in einer öffentlichen Erklärung geäußert. „Es macht mich sehr traurig, dass ich zu Unrecht beschuldigt wurde“, teilte er mit. Er habe „vollumfänglich mit den polizeilichen Ermittlern kooperiert“ und FIFA, UEFA und den KNVB von Beginn an über das Verfahren informiert. Die Streichung aus dem WM-Aufgebot blieb dennoch bestehen; der Weltverband gab dazu keine offizielle Stellungnahme ab.
Mit Rob verliert die Schiedsrichtergemeinschaft einen hochgeschätzten Unparteiischen mit internationaler Erfahrung, vor allem aber einen großartigen und engagierten Kollegen.
WM-Aus als letzte öffentliche Episode
Damit endet die internationale Karriere eines Schiedsrichters, der als eine der ruhigen Konstanten des europäischen Betriebs galt. Zwischen 2011, als Dieperink in der zweiten niederländischen Liga debütierte, und dem Halbfinale in London war er nach oben gearbeitet, ohne dass sein Name die Debatten dominiert hätte. Die letzten drei Monate seines Berufslebens standen im Zeichen einer Anschuldigung, die sich strafrechtlich als nicht haltbar erwies, sportpolitisch aber die Konsequenzen hatte, die Dieperink zeitlebens am meisten schmerzten: der Ausschluss von der Weltmeisterschaft in Nordamerika, für die er seit Monaten gearbeitet hatte.
Der KNVB kündigte an, gemeinsam mit dem Verein und der Familie eine Form des Gedenkens abzustimmen. Ob es an einem der kommenden Eredivisie-Spieltage eine Schweigeminute geben wird, ist noch offen. Das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien am Sonntag im MetLife Stadium leitet, wie geplant, ein Team um Makkelie.