Das Erste zeigt an diesem Dienstagabend um 21 Uhr die Abschiedsfolge für Otto Stein. Folge 1152 der Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ trägt den Titel „Manchmal muss man kein Arzt sein“ und erzählt die Beerdigung der Figur, die Rolf Becker seit 2006 fast zwei Jahrzehnte lang gespielt hat. Becker starb am 12. Dezember 2025 im Alter von 90 Jahren in einem Hamburger Hospiz, wie der NDR unter Berufung auf die Familie meldete.

Die Handlung spielt nach dem Begräbnis des pensionierten Cafeteria-Chefs: In Ottos früherem Zuhause, in dem heute Kathrin Globisch (Andrea Kathrin Loewig) und Roland Heilmann (Thomas Rühmann) leben, kommen Weggefährten zu einer kleinen Trauerfeier zusammen. Sohn Martin Stein (Bernhard Bettermann) begegnet dort Ottos früherer WG-Mitbewohnerin Elisabeth Sommerfeld (Rita Feldmeier) und beginnt mit Heilmann, dem alten Freund seines Vaters, nach Antworten über dessen Leben zu suchen. Die Episode steht nach der Ausstrahlung in der ARD-Mediathek bereit.

Becker war über 300 Episoden lang Teil des Ensembles der fiktiven Sachsenklinik; seine letzte reguläre Folge als Otto Stein hatte die ARD am 9. Dezember 2025 gezeigt, drei Tage vor seinem Tod. Das Team der Serie reagierte damals mit einer schriftlichen Erklärung, aus der die „Deutsche Welle“-Fachseite DWDL zitierte: „Wir verneigen uns vor einem großartigen Schauspieler und einem einzigartigen Menschen, der sich nie in seinem Leben hat verbiegen lassen.“

Für Zuschauer wird es schwer sein, dass die Rolle Otto Stein die Serie verlässt. Was bleibt ist, dass sie einen wunderbaren Menschen kennenlernen durften - die Welt wäre besser, wenn wir mehr Rolfs hätten.
- Karsten Kühn, Schauspieler, gegenüber Brisant

Hamburger Theatermann, bundesweit bekannt durch das MDR-Format

Bettermann, der in der Serie Beckers Sohn spielt, beschrieb den Kollegen gegenüber Brisant als mehr als einen reinen „Spielvater“; Becker habe sich diese Position „auch ein bisschen im Privaten erobert“. Jenseits der Rolle in Leipzig war Becker vor allem Hamburger Theatermann: 1971 holte ihn Intendant Ivan Nagel ans Deutsche Schauspielhaus, später gehörte er zum Ensemble des Thalia Theaters, wo er von 1997 bis 2004 den Jedermann in der Speicherstadt gab. Er lebte seit mehr als fünf Jahrzehnten in St. Georg und engagierte sich dort gegen Verdrängung im Viertel, wie t-online aus Hamburg berichtet.

Insgesamt stand Becker nach Angaben der ARD seit 1961 in mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera, darunter „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, „Großstadtrevier“ und „Küstenwache“. In „In aller Freundschaft“ war 2022 auch sein Sohn Ben Becker in einer Episodenrolle zu sehen. Mit der nun ausgestrahlten Folge 1152 beendet die ARD die Figur Otto Stein 20 Jahre nach ihrem ersten Auftritt - und widmet Becker eine Sonderfolge, wie sie der Serie zuvor nur selten gewidmet wurde.