Die RTL Group hat am Montag die Übernahme von Sky Deutschland abgeschlossen. Der Vollzug zum 1. Juni macht den Kölner Konzern zum mit Abstand größten Pay-TV- und Streaming-Anbieter im deutschsprachigen Raum: Zusammen kommen RTL+, Sky und WOW auf rund 12,3 Millionen zahlende Abonnenten, wie die RTL Group in einer Pflichtmitteilung bestätigte. Über die Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz hinaus übernimmt RTL auch die Sky-Kundenbeziehungen in Luxemburg, Liechtenstein und Südtirol.
Bertelsmann-Chef Thomas Rabe nannte die Transaktion bereits bei der EU-Freigabe im April einen „Meilenstein“. „Mit dem Zusammengehen von RTL Deutschland und Sky Deutschland schaffen wir einen schlagkräftigen Verbund, der im Wettbewerb mit den internationalen Streamern bestehen kann“, sagte Rabe laut einer Mitteilung der Bertelsmann-Mutter. Genau dieser Wettbewerb mit Netflix, Disney+ und Amazon Prime ist die strategische Klammer hinter dem Deal.
Bemerkenswert ist der Preis. Statt der ursprünglich kommunizierten 150 Millionen Euro überweist RTL zunächst nur 68 Millionen Euro Bargeld an die bisherige Mutter Comcast, wie DWDL.de unter Berufung auf die Konzernmitteilung berichtet. RTL begründet die Reduktion mit „marktüblichen Anpassungen“ bei Working Capital und schuldähnlichen Positionen. Eine variable Nachzahlung von bis zu 377 Millionen Euro ist daran geknüpft, dass die RTL-Aktie binnen fünf Jahren bestimmte Schwellen erreicht. Erste Auszahlungen würden ab 36,26 Euro fällig; aktuell notiert der Titel laut DWDL bei 31,55 Euro.
Bundesliga im Free-TV, DFB-Pokal komplett bei RTL+
Für Fußball-Fans dürfte der Deal die spürbarsten Folgen haben. RTL-Deutschland-Chef Stephan Schmitter kündigte gegenüber der WirtschaftsWoche „mehr Spiele der 1. und 2. Bundesliga als jemals zuvor im Free-TV bei RTL“ an. Ab der Saison 2026/27 wandern zudem alle 63 DFB-Pokal-Spiele zu RTL+, fünfzehn davon zeigt RTL frei empfangbar. Sky-Kunden bekommen im Gegenzug Zugriff auf die internationalen Wettbewerbe, die bisher RTL+ vorbehalten waren - Europa und Conference League laufen künftig „ohne Aufpreis“ parallel auf Sky, wie Schmitter in der WirtschaftsWoche erläuterte.
Mit dem Zusammengehen von RTL Deutschland und Sky Deutschland schaffen wir einen schlagkräftigen Verbund, der im Wettbewerb mit den internationalen Streamern bestehen kann.
Wie lange die Marken RTL+, Sky und WOW nebeneinander bestehen, bleibt offen. Branchenbeobachter rechnen mit einer Konsolidierung, wie DWDL und Broadband TV News berichten. Operativ bilden Elke Walthelm und Michael Radelsberger, die aus dem Sky-Vorstand kommen, ab sofort die Pay-TV-Spitze von RTL Deutschland. Synergien von 250 Millionen Euro jährlich will der Konzern binnen drei Jahren heben - vor allem durch Kostenabbau in Verwaltung, Marketing und Personalbereichen.
Stellenabbau im dreistelligen Bereich
Genau diese Kostenposition hat eine personelle Kehrseite. RTL erwartet einen Stellenabbau im dreistelligen Bereich, schreibt Global Banking & Finance unter Berufung auf Konzernkreise. Sky beschäftigt rund 2.000 Menschen, der Großteil davon am Standort Unterföhring; RTL Deutschland sitzt in Köln und hatte im Vorjahr beim Streaming-Umbau bereits etwa 600 Vollzeitstellen gestrichen. Rabe gab sich knapp: „Wir werden sehr fair sein“, sagte er zu den anstehenden Einschnitten, ohne Zahlen zu nennen.
Eine konkretisierte Prognose stellt die RTL Group für den 11. August in Aussicht - dann fließt Sky erstmals für den Zeitraum Juni bis Dezember vollständig in die Konzernzahlen ein. Bis dahin gilt das, was Bertelsmann bereits im April formuliert hatte: aus zwei Anbietern soll ein nationaler Medienchampion werden. Ob das gegen Netflix und Disney reicht, entscheidet sich nicht in der Pflichtmitteilung - sondern in den Verlängerungen der Bundesliga-Rechte ab 2029 und in der Frage, wie viele Abonnenten der neue Verbund tatsächlich hält.