Vor ausverkauftem Haus und mit minutenlangen Ovationen hat Frank Wildhorns Musical „Rudolf - Der letzte Kuss“ am 7. Mai im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen seine Deutschlandpremiere gefeiert. Vor der Vorstellung empfing das Haus geladene Gäste aus Kultur und Politik zu einem Staatsempfang im Panoramasaal; der bayerische Kunstminister Markus Blume nannte die Spielstätte vor der Kulisse von Schloss Neuschwanstein laut Bericht des Kreisboten die „schönste Musicalbühne Deutschlands“. Die Inszenierung läuft seither im Repertoire weiter und hat das Interesse am historischen Kronprinzen spürbar neu belebt.

Die Produktion geht auf das Erfolgsmusical der Vereinigten Bühnen Wien zurück: Musik von Frank Wildhorn, Buch und Liedtexte von Jack Murphy. Für Füssen wurde eine neue Fassung erarbeitet, die Buchadaption stammt von Christian Struppeck, die deutsche Übersetzung von Wolfgang Adenberg. Regie führt Alex Balga, der den Stoff bewusst aus dem Kostümfilm-Register herauslöst. Die Titelpartie singt Oedo Kuipers als Kronprinz Rudolf, Katia Bischoff spielt die Baroness Mary Vetsera. Begleitet wird der Abend von einem Orchester unter der Leitung von Martin Šanda.

Balga setzt auf eine kühle, an den Film noir erinnernde Bildsprache mit harten Lichtkanten und cineastischer Szenenführung. Im Zentrum steht weniger das Liebespaar als der Konflikt zwischen Kaiser Franz Joseph und seinem reformorientierten Sohn - eine Studie über Macht, Kontrolle und Isolation am Wiener Hof.

In meiner Neuinszenierung wird RUDOLF - DER LETZTE KUSS zu einem spannungsgeladenen Musicalthriller.
- Alex Balga, Regisseur

Die Tragödie von Mayerling als Vorlage

Erzählt werden die letzten Lebensjahre von Kronprinz Rudolf, dem einzigen Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth, in der Öffentlichkeit als „Sisi“ bekannt. Rudolf galt als liberal gesinnt und lag mit dem konservativen Kurs seines Vaters über Kreuz. Am 30. Januar 1889 wurde er gemeinsam mit der erst 17-jährigen Mary Vetsera tot im Jagdschloss Mayerling aufgefunden. Der gewaltsame Tod des Thronfolgers erschütterte die Habsburgermonarchie und zählt zu ihren bis heute meistdiskutierten Wendepunkten. Die Bühnenfassung greift Motive aus Frederic Mortons Roman „Ein letzter Walzer“ auf und verdichtet sie zu einem musikalischen Trauerspiel über persönliche Freiheit und politische Enge.

Die Fachpresse reagierte überwiegend positiv. Die neue musikzeitung beschreibt eine handlungsgeschärfte, visuell eindrucksvolle und musikalisch kraftvolle Produktion, die den historischen Stoff konsequent aus dem Historienkorsett befreie; das Premierenpublikum reagierte nach Berichten von musicalzentrale.de mit langanhaltendem Applaus. Nach Angaben des Festspielhauses Neuschwanstein steht „Rudolf - Der letzte Kuss“ zunächst bis Anfang Juni auf dem Spielplan und kehrt im Herbst, von Mitte September bis Mitte Oktober 2026, nach Füssen zurück.