Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, hat vor neuen Versorgungsrisiken bei Mineraldüngern gewarnt und die Bundesregierung zu Entlastungen aufgerufen. Auslöser ist der andauernde Krieg zwischen den USA und Iran, der die Energie- und Gaspreise in der Golfregion instabil hält. „Die Lage am Golf hat sich bis heute nicht verbessert, was unsere Befürchtungen bestätigt: Wer sich hier auf das Prinzip Hoffnung verlässt, gefährdet die Versorgungssicherheit“, sagte Rukwied dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Ein physischer Engpass sei zwar bislang ausgeblieben, so Rukwied, „aber die Stickstoffpreise verharren strukturell auf hohem Niveau, und die Vorräte für die neue Saison sind gefährlich gering“. Stickstoffdünger gilt in der Landwirtschaft als besonders preissensibel, weil seine Produktion eng an den Erdgaspreis gekoppelt ist. Steigt der Gaspreis, verteuert sich die Herstellung überproportional - und damit ein zentraler Kostenblock für Ackerbau und Grünlandwirtschaft.
Forderungen an Berlin und Brüssel
Rukwied verlangt eine Entlastung beim Agrardiesel, eine zeitlich befristete Absenkung der Energiesteuer auf das europäische Mindestniveau sowie Erleichterungen bei der CO2-Bepreisung. Der Bauernverband argumentiert, dass die deutsche Landwirtschaft ohne zusätzliche Puffer weder die geopolitischen Preisspitzen abfedern noch die eigenen Klimaziele einhalten könne. Wie das Handelsblatt am Freitag berichtete, haben die EU-Agrarminister bereits gezielte Betriebshilfen beschlossen und eine befristete Zollaussetzung auf bestimmte Düngemittelimporte auf den Weg gebracht - allerdings gilt beides als kurzfristige Notmaßnahme.
Wer sich hier auf das Prinzip Hoffnung verlässt, gefährdet die Versorgungssicherheit.
In der Landwirtschaft trifft die Preisdynamik auf Betriebe, deren Margen ohnehin unter Druck stehen. Der Iran-Krieg gilt seit Wochen als zentraler Risikofaktor für europäische Energie- und Rohstofflieferketten, weil er die Preisbildung an den Gasmärkten volatil hält und Importrouten durch die Golfregion belastet.
In der Bundesregierung stößt der Vorstoß auf gemischte Reaktionen. Zwar hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) wiederholt Verständnis für die Belastungen der Bauern signalisiert, konkrete Zusagen zu einer neuen Agrardiesel-Rückvergütung stehen jedoch aus. Das Finanzministerium verweist auf den engen Haushaltsspielraum. Rukwied dürfte den Druck in den kommenden Wochen hochhalten - eine Rückkehr der Bauernproteste, die zu Beginn dieses Jahrzehnts Autobahnen und Innenstädte lahmlegten, will die schwarz-rote Koalition unter allen Umständen vermeiden.