Frederik Ruppert hat am Sonntagabend im Alexander Stadium in Birmingham den EM-Titel über 3000 Meter Hindernis gewonnen. Der 29-Jährige aus Tübingen setzte sich in 8:25,33 Minuten gegen den Luxemburger Ruben Querinjean (8:25,61) durch. Bronze ging an Karl Bebendorf, der in 8:26,65 Minuten das zweite deutsche Podest komplettierte. Niklas Buchholz kam als Neunter ins Ziel.

Ruppert kontrollierte das Rennen von Beginn an gemeinsam mit dem Spanier Daniel Arce, während Bebendorf sich taktisch im hinteren Feld hielt. Auf den letzten 600 Metern zog das Führungsduo an, das Feld zerfiel. Querinjean schob sich auf der Zielgeraden noch an Arce und Bebendorf vorbei, an Ruppert selbst kam der Luxemburger nicht mehr heran. „Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen. Wir haben genau auf so ein Szenario abgezielt“, sagte der Europameister im ARD-Interview.

Ich werde im Januar Papa und das hat mir extrem viel Kraft und Power gegeben dieses Jahr.
- Frederik Ruppert, ARD

Erster deutscher EM-Titel seit Kallabis 1998

Ruppert ist der erste deutsche Europameister über die Hindernisse seit Damian Kallabis 1998 in Budapest, wie der Tagesspiegel notiert. Der Weg zum Titel war seit dem Frühjahr angelegt: Im Mai lief Ruppert in Rabat 7:57,80 Minuten und blieb als erster Europäer überhaupt unter der Acht-Minuten-Marke. Bei der EM 2024 in Rom war er als Vierter noch am Podest vorbeigelaufen, während Bebendorf damals Bronze holte. In Birmingham drehte sich die Reihenfolge, die Konstellation blieb die gleiche: zwei deutsche Läufer auf international konkurrenzfähigem Niveau, diesmal aber mit vertauschten Metallen.

„Die Bedingungen hier waren am ehesten meine Bedingungen, von daher war das eine Chance, die ich nutzen musste“, sagte Ruppert nach dem Rennen. Vor dem Finale hatte er das Ziel offen ausgesprochen: Gold, nicht nur Medaille. Zusätzliche Motivation lieferte die Familie. Im Januar wird Ruppert Vater, ein Umstand, den er selbst als „extrem viel Kraft und Power“ für die Saison beschrieb.

Bebendorfs später Antritt reicht nicht mehr

Bebendorf ging mit dem Selbstverständnis eines Medaillenkandidaten ins Rennen und ordnete seinen Bronzelauf im Ziel kritisch ein: Er sei taktisch zu spät angetreten, sein Anspruch sei ein anderer gewesen, berichtete die Sportschau. Der Dresdner hatte den Rückstand auf die Spitze bis zur letzten Runde bewusst offen gelassen und den Antritt erst zu einem Zeitpunkt gestartet, an dem Ruppert bereits enteilt war. Für das Doppelpodest reichte es dennoch.

Für die deutsche Leichtathletik ist der Hindernis-Doppelschlag der Schlusspunkt einer starken EM-Woche. In Birmingham hatten zuvor unter anderem Leo Neugebauer im Zehnkampf, Julian Weber im Speerwurf und Amanal Petros im Marathon Gold geholt. Im Medaillenspiegel liegt Deutschland nach Angaben von Eurosport mit vier Titeln, sieben Silber- und vier Bronzemedaillen auf Rang drei.