Rot-Weiss Essen bleibt drittklassig. Im Relegations-Rückspiel zur 2. Bundesliga verlor der Drittliga-Dritte am Dienstagabend bei der SpVgg Greuther Fürth mit 0:2 und vergab damit den ersten Aufstieg seit 19 Jahren. Vor 16.126 Zuschauern im ausverkauften Sportpark Ronhof drehte Fürth den 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel durch Treffer von Noel Futkeu (29.) und Branimir Hrgota (47.).
Die Essener spielten über weite Strecken wie das Team, das sich diese Saison Stück für Stück erarbeitet hat - mit Mut, mit Tempo, mit Chancen. Allein: Die Tore fielen auf der anderen Seite. Zwei reguläre RWE-Treffer wurden wegen Abseits aberkannt, weitere hochkarätige Möglichkeiten blieben ungenutzt. „Die Mannschaft hat alles auf dem Platz gelassen und sich beste Chancen erarbeitet. Wir haben enorm investiert. Es schmerzt, dass wir unsere Möglichkeiten nicht nutzen konnten“, sagte Trainer Uwe Koschinat im Anschluss laut Sportschau.
Torwart Jakob Golz fasste die Bilanz nüchterner: „Wir hatten unser Schicksal selbst in der Hand und konnten unsere Chancen nicht nutzen.“ Aus Sicht der Fürther reichte ein effizienter Auftritt, um die Klasse zu halten - Topstürmer Futkeu nutzte das Standbein, Kapitän Hrgota legte kurz nach der Pause nach.
Die Mannschaft hat alles auf dem Platz gelassen und sich beste Chancen erarbeitet. Es schmerzt, dass wir unsere Möglichkeiten nicht nutzen konnten.
Eine Saison, die Koschinats Handschrift trug
Dass Rot-Weiss Essen überhaupt um den Aufstieg spielte, war zu Beginn der Spielzeit kaum erwartbar. Als Koschinat im Dezember 2024 übernahm, schaute der Klub nach Darstellung der Sportschau „mit offenen Augen in den Abgrund“: Der Absturz in die Regionalliga galt als realistisches Szenario. In seinen ersten 21 Spielen holte der heute 54-Jährige 40 Punkte, sicherte den Klassenerhalt und baute danach binnen einer Sommerpause ein Team, das die Liga über weite Strecken dominierte.
70 Punkte aus 38 Spielen, ein Zuschauerschnitt von 17.319 - Rekordwerte für die jüngere RWE-Vergangenheit. Auf der Zielgeraden warf der Drittligist mit drei Niederlagen in Serie den vermeintlich sicheren zweiten Platz noch weg, kletterte am letzten Spieltag aber durch ein 3:2 gegen SSV Ulm zurück auf Rang drei und damit in die Relegation. Im Hinspiel sorgte ein Freistoßtor von Torben Müsel aus 22 Metern, das mit gemessenen 121 km/h ins Netz fuhr, für die 1:0-Führung an der Hafenstraße.
Was bleibt nach dem 26. Mai
Sportlich kehrt Rot-Weiss Essen für eine weitere Saison in die 3. Liga zurück. Die letzte Zweitliga-Spielzeit datiert auf 2006/07, beendet vom Lokalrivalen MSV Duisburg am letzten Spieltag. Danach folgten eine Insolvenz, der Abstieg bis in die fünftklassige NRW-Liga und ein langsamer Wiederaufbau, der unter Koschinat erstmals wieder die Tür zum Profibereich öffnete. „Alle Rot-Weißen können stolz auf diese Mannschaft und unsere Saisonleistung sein“, so der Trainer nach dem Spiel. Knapp 3.000 mitgereiste RWE-Anhänger feierten ihr Team nach dem Schlusspfiff, obwohl die Tickets für die Relegation in Fürth innerhalb weniger Stunden ausverkauft gewesen waren.