Als Youri Tielemans in der fünften Minute der Nachspielzeit der Verlängerung den Elfmeter zum 3:2 für Belgien flach ins linke Eck schoss, sank Sadio Mané am Mittelkreis auf die Knie. Es war die 125. Minute im Lumen Field zu Seattle, die 129. Länderspielminute in einer WM-K.-o.-Runde, auf die der 34-Jährige seit 2018 gewartet hatte - und sie endete für Senegal mit einem Aus, das der Trainer Pape Thiaw hinterher „verdammt weh“ tun nannte. Die Löwen der Teranga hatten nach Toren von Habib Diarra (25.) und Ismaïla Sarr (51.) mit 2:0 geführt, ehe Belgien in der Schlussphase drehte und in der Verlängerung ein umstrittener Foulelfmeter die Partie entschied.
Für Mané ist es der Abschied vom großen Turnier auf einem Rasen, den er kaum betreten wollte. 2018 in Russland war für Senegal in der Vorrunde Schluss, 2022 in Katar musste er verletzt aus Bayern München zusehen. Erst 2026 stand er bei einer WM in der ersten K.-o.-Runde - und mit dem 3:2 gegen Belgien endet auch die Serie, die Senegal im Januar in Rabat gefeiert hatte: das 1:0 nach Verlängerung im Finale des Afrika-Cups gegen Marokko, Mané als Kapitän mit der Trophäe, ausgezeichnet als bester Spieler des Turniers. Nach jenem Abend hatte er, wie sport1.de berichtete, seinen Rücktritt aus der Nationalelf nach der WM angekündigt: „Ich bleibe bis zur Weltmeisterschaft beim Team, aber danach ist es vorbei.“
Wenn man Sadio Mané heißt, gehört diese Entscheidung nicht mehr nur ihm allein. Ein Volk steht hinter ihm, das ihn weiterspielen sehen möchte.
Thiaw, seit 2024 im Amt und Nachfolger von Aliou Cissé, hatte den Rücktritt öffentlich abgelehnt und angekündigt, ihn nicht zu akzeptieren. In Seattle sprach er nach dem Aus von einem Team, das „alles gegeben“ habe, und schob mit Blick auf die späten Belgier Tore hinterher, seine Mannschaft habe „sicherlich physische Probleme“ gehabt: „Einige konnten fast nicht mehr auf den Beinen stehen.“ Der eingewechselte Romelu Lukaku hatte in der 86. Minute verkürzt, Tielemans zwei Minuten später ausgeglichen, ehe honduranische Schiedsrichter Said Martínez nach VAR-Blick auf einen Kontakt zwischen Lamine Camara und Tielemans entschied.
Mané selbst hatte vor dem Turnier in Interviews mit dem senegalesischen Portal Senenews und Flashscore.de gesagt, was ihn treibt: „Wenn meine Karriere zu Ende geht, möchte ich keinen einzigen Zweifel daran haben, was ich für mein Land geleistet habe.“ 129 Länderspiele, 54 Tore als senegalesischer Rekordtorschütze, ein AFCON-Titel 2022 in Kamerun und der zweite in diesem Januar - der Katalog steht, der Vertrag bei Al-Nassr ist zum 30. Juni ausgelaufen. Über seine Klub-Zukunft hat Mané in den USA nicht gesprochen; die Saison in der saudischen Pro League beginnt Ende August.
Ein Turnier, das mehr sein sollte als ein Ende
In der Vorrunde hatte Senegal Irak mit 5:0 abgefertigt - das erste WM-Spiel eines afrikanischen Teams mit fünf Toren Vorsprung seit dem 5:0 Kameruns gegen den Libanon 1982 - und war knapp gegen Frankreich (1:3) und Norwegen (2:3) unterlegen. Als einer der besten Gruppendritten kämpfte sich Senegal in die Runde der letzten 32, in der Kapitän Édouard Mendy nach seiner Knieverletzung im Irak-Spiel fehlte. Ersatzmann Mory Diaw parierte in Seattle zweimal stark gegen Jérémy Doku und Maxim De Cuyper, gegen Tielemans' Kopfball und den Elfmeter war er machtlos. Für Mané endet die WM in einer Runde, in der er sie hatte spielen wollen - nur nicht mit diesem Ergebnis.
Ob Thiaws Widerstand gegen den Rücktritt am Ende zieht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Der Verband CAF hat für den Herbst Qualifikationsspiele zum Afrika-Cup 2027 in Marokko angesetzt, und die senegalesische Öffentlichkeit hat sich bislang klar auf die Seite des Trainers gestellt. Am Ende dieser WM steht Mané in einer Reihe mit Didier Drogba und Samuel Eto'o: dem westafrikanischen Stürmer einer Generation, für die eine WM-Halbfinalrunde ein Traum bleibt. Das 3:2 in Seattle war die Nacht, in der er ihm am nächsten kam.