Der neuseeländische Schauspieler Sam Neill ist tot. Neill starb am Montag im Alter von 78 Jahren in Sydney, wie seine Familie am 13. Juli 2026 in einem Statement auf seinem Instagram-Account mitteilte. Der Tod sei „plötzlich und unerwartet“ gekommen, obwohl Neill zum Zeitpunkt seines Todes „krebsfrei“ gewesen sei, hieß es in der Erklärung.

„Sam war umgeben von seiner Familie und ging mit der Würde, die sein ganzes Leben geprägt hat“, schrieb die Familie weiter. Zu den Todesumständen machten die Angehörigen keine näheren Angaben. Neill hatte im Jahr 2023 öffentlich gemacht, dass bei ihm ein angioimmunoblastisches T-Zell-Lymphom diagnostiziert worden war, eine seltene Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Im April dieses Jahres hatte der Schauspieler erklärt, nach einer erfolgreichen Behandlung sei die Erkrankung überwunden.

Neills bekannteste Rolle war der Paläontologe Alan Grant in Steven Spielbergs „Jurassic Park“ aus dem Jahr 1993. Der Film machte den bis dahin vor allem in Australien und Europa gefragten Charakterdarsteller weltweit bekannt. Neill spielte die Rolle auch in „Jurassic Park III“ (2001) und in „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ (2022) an der Seite von Laura Dern und Jeff Goldblum.

Sam war außergewöhnlich kooperativ. Es war ein Kraftakt für ihn, eine Figur zu spielen, die sich verhielt, als seien Kinder chaotisch und übelriechend - das war das Gegenteil des liebevollen Vaters, der er für seine eigenen Kinder war.
- Steven Spielberg, Regisseur

Vom neuseeländischen Farmerland nach Hollywood

Geboren wurde Nigel John Dermot Neill 1947 in Nordirland als Sohn eines britischen Offiziers. Mit sieben Jahren zog die Familie nach Neuseeland. Nach einem Literaturstudium und ersten Bühnenerfahrungen kam Neill 1979 mit der Titelrolle in „My Brilliant Career“ von Gillian Armstrong zu internationalem Ruhm. Es folgten „Possession“ (1981) unter der Regie von Andrzej Zulawski, Phillip Noyces Thriller „Dead Calm“ (1989) an der Seite einer noch unbekannten Nicole Kidman und Jane Campions preisgekröntes Drama „Das Piano“ (1993), in dem Neill den kalten Kolonisator Alistair Stewart verkörperte.

Neills Karriere umspannte gut sechs Jahrzehnte und mehr als 100 Rollen, vom Historiendrama bis zum Fernsehepos. Für die Miniserie „Merlin“ (1998) wurde er für einen Emmy nominiert, insgesamt drei Golden-Globe-Nominierungen kamen hinzu. Einer breiten neuen Generation wurde er als Chief Inspector Chester Campbell in der BBC-Serie „Peaky Blinders“ bekannt. Zuletzt stand er für die Netflix-Serie „Untamed“ vor der Kamera.

Two Paddocks und ein Ritterschlag

Neben der Schauspielerei betrieb Neill in Central Otago das Weingut Two Paddocks, dessen Pinot Noir international Beachtung fand. In Neuseeland galt er als Symbolfigur - bescheiden auftretend, engagiert für Umweltthemen, dazu bekannt für seine humorvollen Instagram-Videos mit Tieren, die er nach Prominenten benannte. Für seine Verdienste um den neuseeländischen Film wurde er 2022 von Königin Elizabeth II. mit dem Knight Companion of the New Zealand Order of Merit ausgezeichnet.

Steven Spielberg würdigte Neill in einer Erklärung als „Traum von einem Hauptdarsteller“. Laura Dern nannte ihn gegenüber Rolling Stone einen „wahren und edlen Gentleman“. Auch Neills langjährige Kollegen Jeff Goldblum und der neuseeländische Regisseur Peter Jackson äußerten sich betroffen. Neill hinterlässt vier Kinder und acht Enkelkinder.

Über seine Krebsdiagnose hatte Neill 2023 in einem viel beachteten Interview gesagt: „Ich kann nicht so tun, als hätte das vergangene Jahr keine dunklen Momente gehabt. Aber gerade diese dunklen Momente werfen das Licht in scharfen Kontrast.“ Sein Wahlspruch, so notierte der Tagesspiegel in seinem Nachruf, sei zeitlebens geblieben: „Wir sollten uns zuerst als Menschen identifizieren, nicht über unseren Job. Ich bin Sam, und manchmal bin ich Schauspieler.“