Im NRG Stadium von Houston spielt Deutschland 7:1, Kai Havertz trifft doppelt, Joker Deniz Undav legt ein Tor und einen Assist nach. Auf dem rechten Flügel aber steht ein Spieler, der von diesem Auftakt nichts mitnimmt: Leroy Sané. 16 Ballverluste, sechs verlorene Duelle, zwei vergebene Riesenchancen in der 32. und der 63. Minute - so liest sich seine Bilanz, die tribuna.com aus den Spielstatistiken zusammenträgt. In den Einzelkritiken von Tipico und STIMME.de bekommt der Galatasaray-Profi die Note 5, die Abendzeitung München sieht eine Vier. Eurosport notiert nüchtern: „Sané fällt ab.“

Bundestrainer Julian Nagelsmann nimmt seinen Außenspieler nach Abpfiff in der ARD in Schutz. „Ich fand, der Leroy war heute superfleißig“, sagt Nagelsmann der ARD. „Ich war zufrieden, der hatte tolle Laufwege. Er hat viel investiert, auch defensiv, und in Umschaltsituationen viel weggenommen. Da kann man ihm heute ein Kompliment machen.“ Die Worte zielen erkennbar auf die Diskussion, die in deutschen Stadien und im Studio bereits läuft: Sané hat in 13 Turnierspielen seit der EM 2016 kein Tor erzielt, sein Startelfplatz in Houston war eine Notlösung - Serge Gnabry und Lennart Karl waren verletzt ausgefallen, Sané rückte nach.

Ich fand, der Leroy war heute superfleißig. Ich war zufrieden, der hatte tolle Laufwege. Er hat viel investiert, auch defensiv.
- Julian Nagelsmann, ARD-Interview nach dem Spiel

Welche Optionen Nagelsmann bleiben

Die Sportschau analysiert die Problem-Personalie nüchtern. Als direkte Alternative auf der rechten Seite nennt das Portal Jamie Leweling vom VfB Stuttgart, der allerdings rechtsfüßig ist und stärker über die Außenlinie kommt - das widerspricht Nagelsmanns Spielidee mit einem invers spielenden Linksfuß auf rechts. Assan Ouédraogo wird ebenfalls als Möglichkeit aufgeführt, hat in der A-Nationalmannschaft aber bislang nur 13 Minuten Einsatzzeit. Beide Optionen sind keine eins-zu-eins-Lösungen.

Bleibt die taktische Umstellung. Sportschau und fussballtransfers.com bringen dasselbe Modell ins Spiel: Kai Havertz auf den Flügel ziehen, Deniz Undav als klassische Neun in der Mitte aufstellen. Der Stuttgarter hat in Houston nach seiner Einwechslung in 26 Minuten ein Tor und einen Assist beigesteuert und damit selbst Argumente geliefert. Alternativ ließe sich Jamal Musiala leicht auf rechts verschieben - eine Lösung, die aber den derzeit formstärksten Spieler aus seiner gewohnten Position holen würde. Beide Varianten setzen voraus, dass Nagelsmann sich von Sané in der Startelf trennt.

Was am Samstag in Toronto zählt

Am kommenden Samstag trifft das DFB-Team im zweiten Gruppenspiel auf die Elfenbeinküste, Anstoß 22 Uhr deutscher Zeit im BMO Field in Toronto (Übertragung im ZDF). Die Elfenbeinküste hat zum WM-Auftakt 1:0 gegen Ecuador gewonnen und ist sportlich ein anderes Kaliber als Curaçao. Wenn Sané dort erneut beginnt und wieder ohne Torbeteiligung bleibt, dürfte Nagelsmann nicht mehr ausweichen können. Der Coach hat selbst formuliert, dass die WM-Plätze leistungsgerecht vergeben würden. Ein zweiter Abend wie der in Houston würde diese Formel auf die Probe stellen - vor laufender Kamera und vor einer Nation, die im Turnier-Modus ist.