Die EU-Kommission hat am Montag die von der Bundesregierung geplante Beihilfe über 400 Millionen Euro für den Ausbau der Insulinproduktion bei Sanofi in Frankfurt-Höchst genehmigt. Damit kann der französische Pharmakonzern die im Sommer 2024 angekündigte Investition von rund 1,3 Milliarden Euro in eine neue Insulinanlage am Standort Höchst realisieren. Ohne die Genehmigung aus Brüssel wäre die Fabrik nicht gekommen. „Ohne die Hilfen würde Sanofi seinen deutschen Standort schließen“, begründete die Kommission ihre Entscheidung nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts.
Die Anlage im Industriepark Höchst ist strategisch bedeutsam: Sie ist die einzige verbliebene Produktionsstätte für Humaninsulin im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum und eines von nur zwei Insulinwerken in der Region. Für die Kommission war das ausschlaggebend. Ohne Sanofi in Höchst wäre die europäische Versorgung mit dem Diabetes-Medikament auf Importe aus Drittstaaten angewiesen gewesen. Im Gegenzug für die Förderung muss Sanofi konkrete Auflagen erfüllen: Bis Ende 2032 soll die neue Anlage stehen, bis Ende 2042 jährlich mindestens 1,1 Tonnen Insulin liefern und eine Tonne pharmazeutischer Insulinwirkstoffe als Reserve vorhalten. Bei Engpässen sind die europäischen Märkte vorrangig zu bedienen.
Wir haben uns konsequent dafür eingesetzt, dass Sanofi die Insulinproduktion in Frankfurt-Höchst langfristig sichert.
Die Erleichterung in Hessen ist entsprechend groß. Der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) verwies auf die politische Vorarbeit der Landesregierung. Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) sprach von einem „starken Bekenntnis zum Pharmastandort Frankfurt“ und äußerte sich erleichtert, „dass dieser wichtige Schritt für diese Investition gelungen ist“, wie die Hessenschau berichtet. Die Investition wird von Bund, Land und Stadt gemeinsam gestützt.
6.500 Beschäftigte, hunderte neue Fachkräfte
Sanofi beschäftigt am Frankfurter Standort nach eigenen Angaben rund 6.500 Menschen. In der neuen Hightech-Insulinanlage sollen mehrere hundert hochqualifizierte Fachkräfte auf einer Fläche von etwa 36.000 Quadratmetern arbeiten - das entspricht rund fünf Fußballfeldern. Höchst ist historisch mit dem Konzern verbunden: Sanofi entstand 2004 durch die Fusion von Sanofi-Synthélabo und Aventis und hat seine Wurzeln unter anderem in der ehemaligen Hoechst AG. Der Standort verantwortet die komplette Insulin-Wertschöpfungskette vom Wirkstoff bis zur weltweiten Distribution.
An der Börse blieb die Reaktion auf die grüne Ampel aus Brüssel verhalten. Die Sanofi-Aktie gab in Paris um 1,31 Prozent auf 74,70 Euro nach. Für den Konzern zählt gleichwohl die politische Zusage: Mit der Genehmigung ist der letzte Vorbehalt für den Baustart in Höchst weggefallen. Für die Bundesregierung sichert die Beihilfe zugleich einen der wenigen verbliebenen Pharma-Ankerpunkte in Deutschland - in einer Branche, die zuletzt eher durch Standortverlagerungen als durch Neuansiedlungen aufgefallen war.