Freitagabend im Javits Center an der Elften Avenue in Manhattan: Lionel Scaloni betritt gegen 20:44 Uhr Ortszeit das Podium für die letzte Pressekonferenz vor dem WM-Finale. Neben ihm nimmt Emiliano Martinez Platz, den in Argentinien alle nur „Dibu“ nennen. Für Beobachter der Selección ist das keine beliebige Auswahl. Es ist ein Signal.

Vier Mal hat Scaloni seit 2021 vor einem Endspiel neben sich einen einzigen Spieler sitzen lassen, dreimal war es Martinez. Copa América 2021 gegen Brasilien, WM-Finale 2022 gegen Frankreich, Copa América 2024 gegen Kolumbien - dazu die Finalissima 2022 in Wembley gegen Italien. Argentinien gewann in allen vier Fällen. Wie Infobae unter Berufung auf den Verband berichtet, entschied Scaloni auch diesmal, den Torwart als Wortführer zu wählen. In Buenos Aires wird das längst als Ritual gelesen.

Am Sonntag um 15 Uhr Ortszeit trifft Argentinien im MetLife Stadium in East Rutherford auf Spanien. Vor der PK hatten Scaloni, Martinez und Lionel Messi das Trainingsgelände in New Jersey per Hubschrauber Richtung Manhattan verlassen - eine Logistikentscheidung, um in der Rushhour über den Hudson zu kommen. Der Trainer nahm die vergleichsweise nüchterne Kulisse zum Anlass, den Ton für das Endspiel zu setzen.

De la Fuente war mein Ausbilder im Trainerkurs. Das Schicksal wollte es, dass wir uns in einem Finale begegnen.
- Lionel Scaloni, Pressekonferenz in New York

Die Beziehung zum spanischen Trainer Luis de la Fuente prägte die PK-Berichte in Europa. Scaloni lebt seit seinen aktiven Jahren bei Deportivo La Coruña und Mallorca in Spanien, seine Familie wohnt dort. „Jeder weiß, dass ich in Spanien lebe, meine Familie dort ist. Aber am Sonntag tut es mir leid: Wir werden versuchen zu gewinnen“, zitiert Flashscore den 47-Jährigen. De la Fuente hatte den Argentinier vor Jahren im spanischen Trainerkurs unterrichtet. Beide Nationalcoaches trafen sich am Freitag nachmittag getrennt mit der Presse, wie sportschau.de bestätigt.

Spanien als Spiegelbild

Inhaltlich gab sich Scaloni betont respektvoll, aber nicht demütig. Argentinien sei „bereit, uns mit ihnen zu messen“, die Selección wolle „ein Spiel abliefern, das den Zuschauern gefällt“, so der Trainer laut Flashscore. Die spanische Mannschaft nannte er eine „großartige Mannschaft“, die sich seit dem Turnierstart gesteigert habe. Physis und Ballbesitz gehörten bei beiden Teams zusammen - eine Beschreibung, mit der Scaloni den Eindruck vermied, sein Team gehe als Underdog in das Spiel. Messi ist mit acht Turniertreffern derzeit Führender in der Torschützenliste, Spaniens Yamal wird auf europäischer Seite zum Gesicht des Turniers erklärt.

Zu Messis Zukunft in der Nationalmannschaft blieb Scaloni knapp. Ob es das letzte WM-Spiel des 39-Jährigen sei, könne nur der Kapitän selbst beantworten. Physisch sieht der Trainer keinen Bruch: „Leo läuft in der Regel ungefähr genau so viel wie früher. Der Unterschied ist, dass alles, was er nun tut, viel entscheidender ist“, sagte er nach Angaben von fussballnationalmannschaft.net. Die Entscheidung über einen möglichen Elfmeter im Finale hat Scaloni bereits vor Wochen an Messi delegiert.

Die Symbolik neben Scaloni

Für die argentinischen Reporter im Saal war der Auftritt von Dibu Martinez das eigentliche Thema. Der Aston-Villa-Keeper hatte 2022 in Katar den Elfmeter von Kingsley Coman gehalten und Argentinien im entscheidenden Moment im Rennen gehalten. Bei jedem der bisherigen Endspiel-Titel unter Scaloni saß er auf der offiziellen PK am Vortag neben dem Trainer. Diesmal auch. Es ist die Art Detail, das im deutschen und europäischen Fußball selten ernst genommen wird, in Argentinien aber als Teil des Erfolgs betrachtet wird. Das Endspiel beginnt am Sonntag um 21 Uhr MESZ.