Zwei Stunden nach dem 0:1 gegen Spanien setzte sich Lionel Scaloni auf das Podium im Medienzentrum des MetLife Stadium in East Rutherford - und hielt keine sechs Minuten durch. „Ich habe mir schon in der Kabine die Augen ausgeweint, deswegen weine ich jetzt nicht", eröffnete Argentiniens Trainer laut Übertragung der argentinischen Sender die Pressekonferenz nach dem verlorenen WM-Finale. Nach einer weiteren Frage zum Endspiel brach er den Termin unter Tränen ab: „Es ist sehr schmerzhaft, es tut mir sehr leid", sagte er, ehe er das Podium verliess, wie der Tagesspiegel am Montag berichtete. Argentinische Journalisten im Saal applaudierten.
Vor dem Abgang beantwortete der Weltmeistertrainer von 2022 nur eine Frage vollständig - jene zur möglichen Zukunft von Lionel Messi. Scaloni erklärte, er habe „noch nicht mit dem Kapitän gesprochen", ob der 39-Jährige nach der Endspielniederlage in der Nationalmannschaft weitermachen werde. Über den achtmaligen Weltfussballer, der alle 120 Spielminuten absolviert hatte und im Rasen des MetLife Stadium in Tränen zusammengesunken war, sagte Scaloni: „Er ist der beste Spieler, der je den Rasen betreten hat." Eine Deadline für Messis Entscheidung nannte der Trainer nicht.
Ich werde mit dem Verbandspräsidenten reden, ich weiss nicht, ob ich die Energie habe, es nochmal anzugehen.
Auch seine eigene Zukunft liess Scaloni offen - eine bemerkenswerte Volte, weil argentinische Medien in der Turnier-Woche noch von einer bereits fixierten Vertragsverlängerung bis 2030 berichtet hatten. Der Coach zeigte sich dankbar, überhaupt an dieser Stelle zu sitzen, sprach aber offen von Zweifeln, ob er ein weiteres Turnier durchhalte. Sport1 zitierte ihn nach dem Termin mit dem Satz, er wolle mit AFA-Chef Claudio Tapia sprechen, ehe er sich entscheide. Die Frage, ob Scaloni die Copa América 2028 noch als Trainer auf die Bank führe, ist damit ebenso offen wie die um Messis Zukunft.
Nächste Termine, unklare Signale
Ein Karriereende Messis wäre nicht überraschend: Der argentinische Kapitän hatte im Vorfeld des Turniers gegenüber US-Reportern gesagt, ein siebtes WM-Turnier 2030 könne er ausschliessen - da wäre er 43. Sein Vertrag bei Inter Miami läuft nach der im Oktober 2025 unterschriebenen Verlängerung bis Ende 2028 und garantiert ihm zwischen 70 und 80 Millionen Dollar pro Saison inklusive Boni. Kurzfristig steht die Copa América 2028 im Raum; ein argentinischer TyC-Sports-Journalist berichtete am Montag, laut Messis Umfeld sei das Finale nicht sein letztes Länderspiel gewesen. Eine offizielle Erklärung des Kapitäns steht aber weiter aus. Bis dahin gilt für Argentiniens Kader das, was Scaloni beim Verlassen des Podiums seinem Team mit auf den Weg gab: Es sei „ein grossartiges Team", das hoffentlich künftige Generationen inspiriere.