Rund 3.500 überwiegend junge Männer haben sich am Samstag im mittelfränkischen Emskirchen zum sogenannten „Schanzenfest“ versammelt. Ziel des Aufmarschs war das ehemalige Grundstück des früheren YouTubers Rainer Winkler, bekannt als „Drachenlord“, im Ortsteil Altschauerberg. Winkler hat den Ort längst verlassen; die Gebäude wurden nach dem Verkauf an die Kommune abgerissen. Die Polizei zog dennoch Bereitschaftspolizei, ein Unterstützungskommando, Reiterstaffel und Diensthundeführer zusammen und riegelte das Dorf weiträumig ab.
Nach Angaben der Fränkischen Landeszeitung hatten die Behörden vorab per Allgemeinverfügung Zusammenkünfte von mehr als acht Personen im Umkreis untersagt. Gegen 13.30 Uhr sammelten sich über 2.000 Menschen am Emskirchener Rewe-Markt, kurz darauf sprach Polizeivizepräsidentin Sonja Sachs die ersten Platzverweise per Lautsprecher aus. Am frühen Nachmittag versuchten Teilnehmer, in mehreren Gruppen durch die umliegenden Wälder zum Kernareal vorzudringen. Dabei zündeten sie Böller in dem nach Wochen ohne Regen trockenen Waldstück und warfen Pyrotechnik sowie Flaschen in Richtung der Beamten und der Diensttiere.
Diese vorwiegend Jugendlichen, die kommen, um dieses Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei zu spielen, die haben hier ihren Spaß.
Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand. Mehrere Teilnehmer wurden vorläufig festgenommen, unter anderem wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Widerstands und Ladendiebstahls im Rewe-Markt. Die Polizei kündigte gegenüber dem Tagesspiegel an, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen einzelne Teilnehmer zu prüfen. Angereist waren die Beteiligten aus dem gesamten Bundesgebiet und aus Österreich, koordiniert über Aufrufe in sozialen Netzwerken.
Kommunalpolitik ist alarmiert
Bürgermeisterin Sandra Winkelspecht, Landrat Christian von Dobschütz und der SPD-Landtagsabgeordnete Harry Scheuenstuhl zeigten sich vor Ort schockiert über die Eskalation. Sie waren am Nachmittag mit einem Krisenstab in Altschauerberg. Bereits im Sommer 2025 hatten sich rund 4.000 Personen am gleichen Ort versammelt; die Kommune hatte danach den vollständigen Abriss des Hauses angeordnet, nachdem Dachziegel und Steine gestohlen worden waren. Ein Ende der jährlich wiederkehrenden Aufmärsche zeichnet sich trotz Abrisses und Wegzugs des Betroffenen nicht ab.
Gegen 16.15 Uhr begannen die Teilnehmer, sich vom Waldrand zurück in Richtung Emskirchener Ortsmitte zu bewegen. Die Polizei sprach am Abend von einer „sehr aggressiven Grundstimmung“, die den gesamten Einsatz geprägt habe. Wie viele Anzeigen am Ende zusammenkommen, will das Polizeipräsidium Mittelfranken in den nächsten Tagen mitteilen.