Dass Derry Scherhant am Donnerstagabend in der Allianz Arena auf dem Aufstellungsbogen stand, war die eigentliche Überraschung des Spieltags. Jürgen Klopp stellte den Freiburger Flügelspieler für sein erstes A-Länderspiel von Beginn an auf, als Teil des linken Angriffs neben Serge Gnabry und Nick Woltemade. Deutschland gewann in der UEFA Nations League 2:0 gegen Serbien, Scherhant spielte dabei 77 Minuten. Laut SID war er die Nummer 998 der DFB-Historie - zwei Namen vor Celtic-Profi Mika Baur, der kurz nach Scherhants Auswechslung als 1000. Nationalspieler eingewechselt wurde.
Klopp hatte seine Entscheidung schon vor dem Spiel begründet. Scherhant spiele „eine starke Saison bislang“, sagte der Bundestrainer in der Vorbereitung, und schätze bei dem 21-Jährigen „Tempo, Technik, die Arbeit gegen den Ball und die Zweikampfstärke“. Als Beleg lieferte Scherhant früh: In der 5. Minute brachte er eine erste gefährliche Flanke in den serbischen Strafraum, kam sowohl über die linke als auch kurzzeitig über die rechte Seite immer wieder in die Tiefe. Die Badische Zeitung hielt fest, dass Scherhants Tempo in der ersten Halbzeit die DFB-Angriffe maßgeblich strukturierte.
Er spielt eine starke Saison bislang. Tempo, Technik, die Arbeit gegen den Ball und die Zweikampfstärke.
Vom Hertha-Jugendprodukt zum Freiburger Dauerläufer
Scherhants Weg zur A-Elf ging im Sommer 2025 über eine Ausstiegsklausel bei Hertha BSC. Der SC Freiburg zahlte zwei Millionen Euro, setzte sich gegen Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach durch - und hat seitdem einen Spieler, der nach eigenen Statistiken in den ersten sechs Spielen der Saison 2026/27 ein Tor und sechs Vorlagen beisteuerte. Als Außenstürmer deckt er beide Seiten ab; unter Klopp lief er in München als Linksaußen auf, in Freiburg wechselt er regelmäßig die Seite.
Für Freiburg ist Scherhant nach Philipp Treu, der ebenfalls in der DFB-Startelf stand, der zweite Breisgauer in der aktuellen A-Mannschaft. Das Doppelpack aus Freiburg sei kein Zufall, kommentierte das Wochenblatt. Scherhant selbst, der zuletzt noch im September beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt als Vorbereiter aufgefallen war, hatte sich in den letzten Monaten über die U21 unter Klopp in den A-Kader hochgearbeitet.
In Thessaloniki steht am Sonntag das Rückspiel in Griechenland an. Deutschland rutschte mit vier Punkten vor dem Spieltag auf Rang drei der Gruppe A2, hinter Griechenland (sieben) und den Niederlanden (fünf). Ob Scherhant erneut von Beginn an spielt, ließ Klopp offen. Nach eigener Aussage fehlten ihm in Griechenland genau die Rotationsspieler, die er in München geschont habe - was Scherhant eher mehr als weniger Spielzeit bringen dürfte.