Arte hat am Freitagabend erstmals „Der Schimmelreiter“ in der Neuverfilmung von Francis Meletzky gezeigt. Der Fernsehfilm nach Theodor Storms Novelle von 1888 lief am 25. September um 20.15 Uhr im Hauptabendprogramm des deutsch-französischen Kultursenders und ist bis zum 25. Oktober in der Arte-Mediathek abrufbar. Eine Wiederholung im linearen Programm folgt am 1. Oktober um 14 Uhr.
Meletzky und Drehbuchautorin Léonie-Claire Breinersdorfer verlegen die Geschichte ins Nordfriesland der Gegenwart. Statt gegen die Nordsee kämpft der neue Hauke Haien mit ihr: Der von Max Hubacher gespielte Deichgraf plant angesichts steigender Meeresspiegel „die Rücksetzung der Deichlinie weiter ins Landesinnere“, wie es in der Rezension des katholischen Medienportals kna heißt. Sein Konzept eines Lebens „mit und auf dem Meer“ statt gegen es stößt in der Küstengemeinde auf Widerstand - seine Warnungen vor den Folgen des Klimawandels werden als Hysterie abgetan. Neben Hubacher stehen Olga von Luckwald als Elke, Annette Frier als Landrätin Janne Manners, Nico Holonics als Bürgermeister Ole Petersen sowie Lisa Hofer und Christoph Glaubacker vor der Kamera.
Der Film war zunächst am 5. Februar 2026 in den Kinos gestartet, ehe er den Weg ins Fernsehen fand. Filmstarts-Kritiker Lars-Christian Daniels sprach schon damals von einer „enttäuschenden Aktualisierung eines Klassikers“ und vergab 1,5 von fünf Sternen. Auch der Rezensent des Portals kulturnews.de attestiert Meletzky zwar starke Bilder - „das dunkle, bedrohliche Meer, den Schimmel als Spuk, die Vogelschwärme als stumme Warner“ -, hält den Film aber für „schablonenhaftes Erklär-Fernsehen“.
Ob die Figur eines Scheiternden das richtige Beispiel im Kontext der hier verhandelten Menschheitsfragen ist, bleibt offen.
Positiver liest sich das Urteil in der kna-Rezension: Der Film meistere „den durchaus naheliegenden Epochenwechsel recht überzeugend“, auch dank einer authentisch besetzten Riege norddeutscher Sprecherinnen und Sprecher. Zugleich formuliert die Rezension einen grundsätzlichen Vorbehalt gegen die Storm-Vorlage in Zeiten der Klimakrise - der Deichgraf als Visionär, der letztlich scheitert, sei möglicherweise das falsche Beispiel für die Debatte um Küstenschutz und globale Erwärmung.
Storms Novelle gehört seit Jahrzehnten zum Kanon des Deutschunterrichts. Meletzkys Aktualisierung tastet die zentralen Motive nicht an - Fremdheit, Aberglaube, das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft -, koppelt sie aber an die drängende Frage nach Deichrückverlegung und Anpassungsstrategien an höhere Fluten. Ob die Arte-Fassung damit Schule macht oder als Fußnote der Storm-Rezeption endet, wird auch daran zu messen sein, wie oft der Film in den kommenden Wochen in Mediatheken und Lehrmaterialien auftaucht.