Schweden ist mit einer deutlichen Botschaft in die Weltmeisterschaft gestartet. Im Estadio BBVA in Monterrey schlug die Auswahl von Graham Potter in der Nacht zum Montag Tunesien mit 5:1 und übernahm in Gruppe F vorerst die Tabellenspitze, nachdem sich Niederlande und Japan einen Tag zuvor 2:2 getrennt hatten. Zwei Tore von Yasin Ayari, je einer von Alexander Isak, Viktor Gyökeres und VfL-Wolfsburg-Profi Mattias Svanberg sortierten die Partie früh und ließen Tunesien nur in der Phase um den Halbzeitpfiff hoffen.
Den Ton setzte Schweden bereits in der 7. Minute. Ayari ging nach einer Balleroberung 20 Meter vor dem tunesischen Tor in den Abschluss und traf ins linke obere Eck. Der Mittelfeldspieler von Brighton, in Stockholm als Sohn einer tunesisch-marokkanischen Familie geboren und für beide nordafrikanischen Nationalteams spielberechtigt, verzichtete demonstrativ auf den Jubel und hob nur entschuldigend die Hände. In der 30. Minute legte Alexander Isak nach Vorarbeit von Gyökeres über einen schwedischen Konter mit links zum 2:0 nach.
Tunesien schlug zur Pause hin zurück. Innenverteidiger Omar Rekik stieg in der 43. Minute nach einer Ecke am höchsten und köpfte zum 1:2 ein. Die Tunesier kombinierten in den Anfangsminuten der zweiten Halbzeit über Anis Ben Slimane und Hannibal Mejbri, kamen aber in der Drucksituation nicht mehr durch. In der 59. Minute beendete Gyökeres die Hoffnung mit seinem Tor zum 3:1, das nach Zuspiel von Isak im Strafraum fiel. Es war Gyökeres' erstes WM-Tor.
Wenn wir wir selbst sind und uns auf das konzentrieren, was wir gut können, haben wir eine Chance.
Wolfsburgs Beitrag zum Endstand
Den Endstand stellten in den letzten Minuten zwei Spieler her, die in Deutschland und der Premier League ihr Geld verdienen. In der 84. Minute traf Mattias Svanberg, seit 2022 beim VfL Wolfsburg unter Vertrag und in der vergangenen Bundesliga-Saison über 100 Einsätze auf dem Konto, zum 4:1. Der schiedsrichterliche VAR-Check unter dem argentinischen Hauptschiedsrichter Yael Falcón Pérez bestätigte das Tor nach kurzer Pause. In der sechsten Minute der Nachspielzeit lief Ayari erneut allein auf das tunesische Tor zu und vollendete zu seinem Doppelpack.
Für Potter, der vor zwei Jahren in der Premier League bei Chelsea und West Ham gescheitert war, ist es der wohl wichtigste Sieg in seiner zweiten Karriere als Nationaltrainer. Schweden hatte sich erst über die Playoffs gegen Polen für das Turnier qualifiziert; in der WM-Qualifikation war die Mannschaft mit dem Trainer Jon Dahl Tomasson über weite Strecken planlos geblieben, bevor Potter im Sommer 2025 übernahm. „Wenn wir wir selbst sind und uns auf das konzentrieren, was wir gut können, haben wir eine Chance“, hatte der Engländer am Samstag in Monterrey vor Journalisten der South China Morning Post gesagt. Die Botschaft hat sich gehalten.
Was das für die Gruppe heißt
In Gruppe F sortiert sich der Tabellenstand damit zwischen Niederlande, Japan und Schweden eng. Am 20. Juni trifft Schweden auf die Niederlande in Houston, Japan spielt am selben Tag gegen Tunesien in Atlanta. Für die schwedische Auswahl ist nach dem 5:1 die Tür zur K.-o.-Runde weit aufgestoßen, ein Punkt gegen Oranje würde im günstigsten Fall reichen. Tunesien hingegen muss sich neu sortieren: Trainer Sami Trabelsi steht nach dem Defensivfiasko gegen die schwedischen Premier-League-Stürmer Isak und Gyökeres unter Erklärungsdruck, das eigentlich starke Mittelfeld um Skhiri und Khedira hatte gegen Schwedens schnelle Umschaltmomente kein Mittel gefunden.