Bastian Schweinsteiger hat seinen ersten WM-Abend als ARD-Experte mit zwei Szenen geprägt, die in ihrer Mischung sein neues Rollenbild umreißen. Beim Eröffnungsspiel der Gruppe B zwischen Kanada und Bosnien-Herzegowina im Toronto BMO Field, das am Samstagabend 1:1 endete, sang der Weltmeister von 2014 lautstark das Stadion-Lied „Live is Life“ der Wiener Band Opus mit, als sich die Kamera nach einem Einspieler wieder auf das Pultpaar Sedlaczek/Schweinsteiger drehte. Wenige Minuten später warnte derselbe Schweinsteiger vor den FIFA-Trinkpausen und der Rasenbewässerung, die nach seiner Lesart die Spielqualität verändern. Die ARD-Sportschau bekommt damit das, was sie sich vom Wechsel an der Expertenfront erhofft hat: ein Format, das spürbar von einer Person getragen wird.
Moderatorin Esther Sedlaczek, die in Toronto erstmals direkt aus einem WM-Stadion durch den Abend führte, kommentierte den ungeplanten Gesangsauftritt trocken: „Ich weiß nicht, ob Sie es gehört haben, aber der grölt hier mit und hat einen Heidenspaß. So soll es ja auch sein, Basti.“ Die Szene wurde noch in der Halbzeit auf X und Bluesky vielfach geteilt; zur Krönung spielten die DJs am BMO Field „Live is Life“ in der 70. Minute ein zweites Mal, nachdem die Sprinkleranlage am Spielfeldrand fehlgezündet hatte. In der Schlussanalyse machte sich Sedlaczek zudem über ihren eigenen Versprecher lustig, als sie Bosniens Kopfballstärke versehentlich als „Lufteinheit“ statt „Lufthoheit“ beschrieb - Schweinsteiger lachte hörbar mit.
Trinkpausen-Kritik gegen die FIFA
Inhaltlich relevanter war die zweite Schweinsteiger-Szene des Abends. In der Analyse zur zweiten Halbzeit kritisierte er das Trinkpausen-Regime der FIFA, das bei moderaten Temperaturen automatisch greift. „Diese Wasserpausen haben mich etwas gestört“, sagte Schweinsteiger nach Angaben von ran.de. „Es sind ja nicht 40 Grad und auch keine Luftfeuchtigkeit bei 100 Prozent. Und dann machen die da Pausen.“ Auch die parallele Rasenbewässerung sieht der ehemalige Bayern-Profi skeptisch: „Sie wässern in den Pausen den Rasen, und dadurch verändert sich das Ballverhalten schon ein bisschen. Da musst du dich als Spieler wieder neu orientieren.“ Das Passspiel sei nach den Unterbrechungen „etwas holprig“ geworden.
Diese Wasserpausen haben mich etwas gestört. Es sind ja nicht 40 Grad und auch keine Luftfeuchtigkeit bei 100 Prozent.
Die FIFA hatte vor dem Turnier die Schwelle für Cooling Breaks abgesenkt und damit auf die Hitzewelle reagiert, die in Houston, Dallas und Atlanta die Hauptrunden-Spiele begleitet. In Toronto lag die Temperatur am Samstag zwischen 22 und 24 Grad - Werte, die Schweinsteigers Einwand erklären. Beobachter der Bild und der Süddeutschen Zeitung lasen die Wortmeldung als bewusste Positionierung: Der ARD-Experte schließt sich damit der Trainer-Linie an, die das Trinkpausen-Regelwerk seit den ersten Spieltagen als zu schematisch kritisiert. Für die ARD ist eine solche Klartext-Linie kein Schaden - sie ergänzt das Reichweiten-Plus, das die Sportschau am Sonntagabend mit der Curacao-Quote von 23,43 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern eingefahren hat. Schweinsteiger steht im ARD-Team neben Almuth Schult, Thomas Hitzlsperger und Robin Gosens; der Sender setzt im Kern auf seine Spielfeldnähe und die offene Sprache, die ihn schon als Sky-Co-Kommentator von der reinen Statistikanalyse abgehoben hatten.