Rund 34 Stunden vor dem Anpfiff im Arrowhead Stadium hat Murat Yakin am Samstag in Kansas City das entscheidende Wort zu Lionel Messi gesagt. „Einen Wachhund werden wir aber nicht auf Messi ansetzen", erklärte der Schweizer Nationaltrainer auf der Medienkonferenz, wie SRF berichtet. Man werde stattdessen versuchen, ihn gar nicht erst in Ballbesitz kommen zu lassen: „Wir haben mehrere Lösungen. Wir müssen versuchen, eine richtig zu machen." Anpfiff im WM-Viertelfinal gegen den amtierenden Weltmeister ist am Sonntag um 03:00 Uhr MESZ.
Für das Duell muss Yakin auf Johan Manzambi verzichten. Der 19-jährige Freiburger, in der Vorrunde einer der Aufsteiger des Turniers, hatte sich vor dem Achtelfinale gegen Kolumbien eine Knieprellung zugezogen. „Johan kann nicht spielen. Wir haben versucht, ihn fit zu kriegen, doch es reicht nicht", zitierte 20 Minuten den Nati-Coach. Yakin sprach von einer sportlich wie emotional bitteren Nachricht. Manzambi war in den USA fest eingeplant, seine Ausfallzeit dürfte den Kader Yakins bis zum Ende des Turniers ausdünnen.
Kapitän Granit Xhaka rückte auf der Bühne die historische Dimension in den Vordergrund. Es ist der erste Schweizer WM-Viertelfinal seit dem Turnier 1954 im eigenen Land. „Nach 72 Jahren im Viertelfinal zu stehen, macht mich stolz. Der Hunger ist jetzt aber noch grösser", sagte der Bayer-Leverkusen-Profi laut 20min. Gegenüber Watson ergänzte er: „Ziel Nummer 1 ist erreicht, aber wenn man eine noch grössere Geschichte schreiben kann, muss man alles dafür geben."
Einen Wachhund werden wir aber nicht auf Messi ansetzen.
Druck auf die Passgeber, kompakt gegen Messi
Taktisch skizzierten Yakin und Xhaka einen ähnlichen Plan wie zuletzt gegen Kolumbien: kompakt stehen, die Räume um Messi eng machen, den Ballbesitz aus dem eigenen Aufbau heraus lange halten. „Es ist schwierig, Messi 90 Minuten lang zu stoppen. Wir müssen clever sein und kompakt stehen. Aber auch eigener Ballbesitz ist wichtig, damit Argentinien weniger am Ball ist", so Xhaka in der SRF-Übertragung. Yakin will dazu die Passgeber zustellen. Er nannte namentlich Rodrigo De Paul und Alexis Mac Allister, denen die Verbindung nach vorn genommen werden soll.
Ausdrücklich warnte der Nati-Trainer vor der Widerstandsfähigkeit des Titelverteidigers, der in dieser WM zweimal Rückstände aufholte, gegen Kap Verde in der Verlängerung und gegen Ägypten in der Nachspielzeit. „Ich habe mir die Spiele der Argentinier von Anfang an angeschaut und auch geguckt, wie sie spielen. Also wir sind vorbereitet und es wird ein gigantisches Spiel für uns", sagte Yakin gegenüber Watson. Xhaka fügte an: „Für sie ist es erst fertig, wenn der Schiedsrichter abpfeift."
Die Schweiz reist mit Rückenwind an. Nach dem 4:1 gegen Bosnien in der Gruppenphase und dem 2:1-Erfolg über Kolumbien im Achtelfinale steht sie erstmals seit über sieben Jahrzehnten in der Runde der letzten Acht. Xhaka, dessen Vater und Onkel in Kosovo geboren wurden und der die WM 2022 als Vize-Kapitän beendete, wählte auf der Medienkonferenz einen für ihn ungewöhnlich zurückhaltenden Ton: „Auch ich träume gerne. Und ab und zu gehen Träume auch in Erfüllung." Das Spiel läuft in Deutschland exklusiv bei MagentaTV.