Die Schweiz hat ihr zweites Gruppenspiel bei der Weltmeisterschaft am Donnerstagabend mit 4:1 gegen Bosnien-Herzegowina gewonnen und die K.-o.-Runde damit in greifbare Nähe gerückt. Im SoFi Stadium von Inglewood, vor rund 70.000 Zuschauern, fielen alle Tore nach Murat Yakins Dreifachwechsel in der 72. Minute - allen voran durch den eingewechselten Freiburger Johan Manzambi, der in der 74. und 90. Minute traf.

Bis zu den Wechseln war es eine zähe Partie. Die Schweizer kontrollierten mit rund 75 Prozent Ballbesitz, blieben in der ersten Halbzeit aber praktisch ohne Torchance - eine xG-Bilanz von 0,06 nach 45 Minuten illustriert, wie harmlos die Offensive um Breel Embolo und Dan Ndoye agierte. Bosnien stand kompakt, Edin Dzeko und Ermedin Demirovic blieben weitgehend wirkungslos, und Schiedsrichter Joao Pinheiro ahndete die Härte mit drei Gelben Karten allein in der zweiten Halbzeit.

Manzambi und Vargas drehen das Spiel

Yakin reagierte in der 72. Minute mit dem entscheidenden Dreifachwechsel: Johan Manzambi, Rubén Vargas und Djibril Sow ersetzten Ndoye, Michel Aebischer und Fabian Rieder. Zwei Minuten später nagelte Manzambi nach einer Flanke von Vargas den 1:0-Volley aus zehn Metern in den bosnischen Kasten, wie die Sportschau in ihrem Spielbericht festhielt. Vargas legte in der 84. Minute selbst zum 2:0 nach. Als Tarik Muharemovic in der 80. Minute Embolo an der Strafraumgrenze als letzter Mann stoppte, sah Bosniens Innenverteidiger Rot - und die Schlussphase kippte vollends.

Manzambi traf in der 90. Minute zum 3:0, der eingewechselte Ermin Mahmic verkürzte im Gegenzug auf 3:1 (90.+3). Den Schlusspunkt setzte Kapitän Granit Xhaka in der 97. Minute vom Elfmeterpunkt zum 4:1-Endstand. Die Schweiz steht damit nach zwei Spieltagen bei vier Punkten und einer Tordifferenz von plus drei in Gruppe B - Bosnien-Herzegowina bleibt nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Kanada bei einem Zähler.

Werden ihre Fans schon verstummen lassen.
- Murat Yakin vor dem Spiel, SRF

Vor dem Spiel hatte Yakin gegenüber dem SRF angekündigt, die zahlenmäßig stärkere bosnische Diaspora in Südkalifornien mit dem eigenen Spiel zum Schweigen zu bringen. Nach 73 zähen Minuten, in denen die Auswärtsstimmung im SoFi Stadium bosnisch dominiert war, lieferten ausgerechnet die Joker den passenden Schlusspunkt. Sergej Barbarez, einst Bundesliga-Stürmer beim HSV und in Dortmund, steht mit Bosnien dagegen vor einem K.-o.-Endspiel im letzten Gruppenspiel.

Was am Sonntag zählt

Für die Schweiz reicht im abschließenden Gruppenspiel ein Punkt, um die K.-o.-Runde aus eigener Kraft zu erreichen - ein Sieg über Katar oder Kanada würde sogar Platz eins absichern. Bosnien-Herzegowina ist auf Schützenhilfe angewiesen und braucht selbst einen Erfolg. Für den 18-jährigen Manzambi, der nach der Saison mit dem SC Freiburg bei der WM-Premiere zum Mann des Abends wurde, war es laut Badischer Zeitung der erste und zweite WM-Treffer seiner jungen Karriere.