Am Donnerstagabend um 21 Uhr deutscher Zeit trifft die Schweizer Nationalmannschaft im SoFi Stadium in Inglewood auf Bosnien-Herzegowina. Das zweite Gruppenspiel der WM 2026 trägt schon vor Anpfiff Drucknoten: Beide Teams kamen am ersten Spieltag nur zu einem 1:1, beide stehen ohne Tordifferenz da, und in einer Gruppe B mit Kanada und Katar reicht jede weitere Punkteteilung, um die K.-o.-Phase aus eigener Kraft zu verlieren.
Murat Yakin hat sich nach dem späten Eigentor gegen Katar in der 94. Minute öffentlich keine Schwäche leisten lassen, intern aber laut Tagesanzeiger drei Umstellungen geprüft. Die Schweizer kicker-Vorschau zählt eine Rückkehr von Johan Manzambi auf die Zehnerposition zu den realistischsten Varianten - ein Versuch, Bosniens robuste Viererkette mit Kreativität statt Tempo zu knacken. An Granit Xhakas Kapitänsamt hat keiner gerüttelt, an seiner Selbstkritik nach dem Katar-Spiel auch nicht: „Ich war nicht zufrieden - weder mit mir selbst noch mit dem Resultat“, sagte Xhaka gegenüber Watson.
Barbarez setzt auf Standards
Auf der anderen Bank steht ein Bundesliga-Wiedersehen: Sergej Barbarez, einst Torjäger des HSV und von Borussia Dortmund, führt Bosnien in den dritten WM-Auftritt der Verbandsgeschichte. Sein Team setzt auf Physis und Standards - vier Spieler der wahrscheinlichen Startelf messen über 1,90 Meter, schreibt Watson in seiner Vorschau. Im Sturmzentrum droht Ermedin Demirovic, dahinter zieht Mittelfeldspieler Manuel Lukic mit langen Bällen auf. Kapitän Edin Dzeko, mit 40 Jahren der Patriarch des Kaders, ist nach einer Schulterverletzung aus dem Kanada-Spiel nicht gesichert dabei.
Die Statistik der jüngsten Pflichtspiele spricht trotzdem für die Schweiz: In neun der letzten zehn Bosnien-Auftritte fiel mindestens ein Gegentreffer, nur gegen Nordmazedonien hielt die Null. Yakin setzt traditionell auf das 4-3-3-System mit Breel Embolo im Sturmzentrum, Manuel Akanji und Nico Elvedi sollen Bosniens Kopfballwucht abriegeln. In Inglewood droht trotzdem eine Auswärtsstimmung - nur rund 2.200 Schweizer Fans sind nach Watson-Angaben in Los Angeles akkreditiert, während die bosnische Diaspora Südkaliforniens dem Spiel einen Heim-Charakter verpassen will.
Wir haben keine grossen Namen, keinen Star. Unsere Mannschaft muss als eine Einheit funktionieren.
Das Spiel ist für beide Mannschaften de facto ein Endspiel um die nächste Runde. Bei einer Niederlage müsste das Schlussmatch gegen Kanada oder Katar gewonnen werden, und die Tordifferenz wäre dann nicht mehr in eigener Hand. „Wir haben keine grossen Namen, keinen Star. Unsere Mannschaft muss als eine Einheit funktionieren“, hatte Xhaka schon vor dem Turnier in einem Watson-Gespräch über den Kabinengeist diktiert. In Los Angeles wird sich zeigen, ob diese Einheit den ersten Bruchtest übersteht. Die ARD überträgt live.