Santa Clara. Es war der WM-Auftakt, den Murat Yakin in Erinnerung behalten wird - aus den falschen Gründen. Die Schweizer Nationalmannschaft hat am Samstagabend (Ortszeit) im Levi's Stadium gegen Außenseiter Katar 1:1 gespielt und damit zwei Punkte verschenkt, die im weiteren Verlauf der Gruppe B noch teuer werden können. Breel Embolo hatte die Nati in der 17. Minute per Elfmeter in Führung gebracht. In der vierten Minute der Nachspielzeit köpfte Katars Kapitän Boualem Khoukhi nach einer Flanke von El Amin aus sechs Metern zum Ausgleich ein.

Vor 67.966 Zuschauern dominierten die Eidgenossen das Spiel über weite Strecken. Laut der von t-online ausgewiesenen Bilanz kam die Schweiz auf 26 Torschüsse und 68 Prozent Ballbesitz, Katar auf gerade einmal sieben Abschlüsse. Auch im Expected-Goals-Wert lag das Team von Yakin mit 3,24 zu 0,76 deutlich vorn. Doch nach dem frühen Tor verflachte die Partie. Granit Xhaka traf in der 48. Minute mit einem Distanzschuss nur die Latte, Embolo und Ruben Vargas vergaben weitere klare Möglichkeiten. „Die Schweiz dominierte mit Ballbesitz, hatte aber Mühe mit der Effizienz im Abschluss“, fasste der Schweizer Live-Ticker von 20min die Partie zusammen.

Die halbautomatische Abseitserkennung ist aktiv. Es kann aber sein, dass die ausgefallen ist.
- Thorsten Kinhöfer, Schiedsrichter-Experte im ZDF

Diskussion um den Elfmeter

Schon das Schweizer Führungstor stand unter Diskussionsvorbehalt. Schiedsrichter Saíd Martínez aus Honduras zeigte nach einem Foul an Embolo auf den Punkt, der Stürmer von Monaco verwandelte selbst, indem er - so der Ticker des kicker - vor dem Anlauf den Torhüter lange fixierte und in die linke Ecke einschoss. ZDF-Experte Thorsten Kinhöfer äußerte direkt im Anschluss Zweifel: „Ich hatte mit einer Abseitsstellung gerechnet“, sagte der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter mit Blick auf Remo Freuler, der vor dem Foul angespielt worden war. Kinhöfer mutmaßte gegenüber dem ZDF, die halbautomatische Abseitserkennung könnte ausgefallen sein. Auf den Fernsehbildern war die Situation laut watson.ch wegen einer „versetzten Kameraperspektive“ nicht eindeutig aufzuklären.

Das späte Gegentor traf die Nati hart. Khoukhi, der bei Al Sadd in Doha unter Vertrag steht, setzte sich im Kopfballduell gegen den eingewechselten Miro Muheim durch und vollendete laut t-online „wuchtig aus sechs Metern ins rechte Eck“. Yakin stand danach „mit versteinerter Miene an der Seitenlinie und verstand die Welt nicht mehr“, schreibt fussballnationalmannschaft.net. Der Nationaltrainer hatte vor dem Turnier gefordert, das erste Spiel als „Willenskampf“ anzunehmen - die Schweiz lieferte stattdessen eine Spielanlage, der die letzte Konsequenz fehlte.

Bosnien wartet, Druck wächst

Für die Nati wird der Auftaktpunkt zur Hypothek. In Gruppe B trennten sich am Freitag in Toronto Kanada und Bosnien-Herzegowina 1:1 - alle vier Mannschaften liegen damit gleichauf, der von vielen Beobachtern erwartete Gruppensieg ist für die Schweiz keineswegs gesichert. Am 18. Juni geht es im SoFi Stadium in Inglewood gegen das von Sergej Barbarez trainierte Bosnien-Herzegowina weiter, das in der EM-Qualifikation hinter Österreich Zweiter geworden war und im ersten WM-Spiel die kanadischen Gastgeber phasenweise dominiert hatte. „Für das nächste Spiel gegen Bosnien-Herzegowina muss ordentlich an der Durchschlagkraft gearbeitet werden“, fasste fussballnationalmannschaft.net die Lage zusammen. Yakin wird bis dahin Antworten finden müssen - vor allem darauf, warum aus 26 Abschlüssen nur ein Treffer wurde.