Die Schweiz startet am Samstagabend gegen Katar in ihre erste WM seit drei Jahren - und das mit einem ungewohnten Misston. Anstoss im Levi's Stadium von Santa Clara ist um 21 Uhr MESZ, übertragen wird die Partie aus der Gruppe B in Deutschland von Magenta TV, in der Schweiz vom SRF. Nach dem ernüchternden 1:1 in der Generalprobe gegen Australien am vergangenen Samstag in San Diego sprach Captain Granit Xhaka offen vom Alarmsignal, Bundestrainer Murat Yakin gibt vor dem Eröffnungsspiel dennoch das grösste Ziel der Verbandsgeschichte aus.

„Wir wollen die beste WM spielen, welche eine Schweizer Nati gespielt hat“, sagte Yakin der Branchenseite Persoenlich. Über das Achtelfinale ist die Schweiz seit dem Viertelfinale 1954 im eigenen Land nie hinausgekommen, an dieser Marke will der Trainer das Turnier in Nordamerika messen lassen. Yakin verweist auf eine ungeschlagene Quali und ein Kollektiv, das seit Sommer 2025 auf die ungewohnten Bedingungen vorbereitet wird: „die grosse Zeitverschiebung, die besonderen Anspielzeiten und die grossen Distanzen“ hätten von Anfang an in die Planung gehört.

So darfst du nicht auftreten, sonst fährst du nach drei Spielen nach Hause.
- Granit Xhaka, 20 Minuten

Der Captain wählte nach dem 1:1 gegen Australien einen schärferen Ton. Vor 6.000 Zuschauern im Snapdragon Stadium hatte die Schweiz in der ersten Halbzeit eine Phase mit bis zu 75 Prozent Ballbesitz, Dan Ndoye traf in der 15. Minute nach Vorlage von Xhaka. Nach der Pause kam das Team kaum noch zu Aktionen, Tete Yengi glich bei seinem Länderspieldebüt aus. „Wir müssen nun aufwachen. Das 1:1 war ein grosser Weckruf für alle“, sagte Xhaka gegenüber 20 Minuten. „Wenn du gut arbeitest, kommt das auf dem Platz zurück - das war nicht so in dieser Woche.“ Yakin selbst sprach laut Nau.ch davon, on schedule zu sein, und erinnerte daran, dass die Schweiz schon vor der WM 2022 ein 0:2 im letzten Test verkraftet und anschliessend ein ordentliches Turnier gespielt habe.

Katar mit Lopetegui in der Krise

Der erste Gegner ist gleichzeitig die grösste Unbekannte. Katar, das bei der Heim-WM 2022 sieglos ausgeschieden war, hat den früheren Spanien-Trainer Julen Lopetegui im Mai 2025 verpflichtet. Sportlich verläuft die Amtszeit zäh: Nur eines von elf Spielen hat der Spanier bislang gewonnen, geopolitische Turbulenzen kosteten die Mannschaft die geplanten Vorbereitungsspiele gegen Serbien und Argentinien. Die ersatzweise angesetzten Tests gegen Irland (0:1) und El Salvador (0:0) lieferten kaum Erkenntnisse - 373 Minuten lang traf Katar zuletzt nicht ins gegnerische Tor. Yakin räumte vor dem Anpfiff ein, dass sein Stab das Lopetegui-Team kaum analysieren konnte: „Das erste Spiel wollen wir unbedingt gewinnen“, erklärte er - der Auftakt dürfe nicht ins Stolpern geraten.

Personell zwingt vor allem die Spitze zum Improvisieren. Breel Embolo war wegen einer verspäteten Anreise im Test gegen Australien nicht dabei, auch der Augsburger Flügelspieler Ruben Vargas musste mit Blessuren pausieren. Yakin hielt sich am Donnerstag offen, ob beide am Samstag von Beginn an spielen, betonte aber, die Chance auf einen Startelf-Einsatz bestehe weiter für alle Spieler. Im Tor ist Borussia-Dortmund-Keeper Gregor Kobel gesetzt, in der Abwehr soll Manuel Akanji die Viererkette dirigieren. Im Mittelfeld dürfte neben Xhaka der zuletzt formstarke Remo Freuler stehen, vorne hofft das Trainerteam auf den nächsten Treffer von Dan Ndoye, der zuletzt in fünf Länderspielen viermal getroffen hat.

Gruppe B: Auftakt vor Kanada und Bosnien

Mit Bosnien-Herzegowina am 18. Juni in Los Angeles und Co-Gastgeber Kanada am 24. Juni in Vancouver warten noch zwei Pflichtspiele, die laut Yakin den Gruppensieg bringen sollen. Zuvor müsse aber das Auftaktspiel sitzen, wie er auf der jüngsten Pressekonferenz wiederholte: „Momentan sind wir sehr ruhig. Wir trainieren und haben gute Bedingungen.“ Xhaka sieht das ähnlich pragmatisch - und doch unmissverständlich: Aus drei Gruppenspielen will der Captain nicht früher nach Hause fahren als nötig.