Es ist die längste Nacht der Schweizer Fussballgeschichte seit 72 Jahren. Rubén Vargas legt sich in Vancouver den zehnten Ball zurecht, trifft souverän - und schickt die Nati erstmals seit dem Heim-Turnier 1954 in ein WM-Viertelfinale. Im Achtelfinale gegen Kolumbien bleibt es nach 120 Minuten 0:0, im Elfmeterschiessen setzt sich die Mannschaft von Murat Yakin mit 4:3 durch. Nächster Gegner am Sonntag in Kansas City: der Weltmeister Argentinien.
Der Weg ins Viertelfinale ist ein Zittersieg. Kolumbien dominiert die 120 Minuten laut Sportschau mit 14:7 Torschüssen, in der 99. Minute knallt Jhon Lucumí den Ball an die Latte, kurz darauf hält der kolumbianische Torhüter Vargas in der 104. Minute gegen den frei aufspielenden Zeki Amdouni. Die Schweiz spielt ohne den verletzten Johan Manzambi, ihren treffsichersten Angreifer, und rettet sich mit einer Notlösung im Sturm in die Verlängerung. Im Elfmeterschiessen scheitert dann Manuel Akanji als einziger Schweizer, während bei Kolumbien Davinson Sánchez die Latte trifft und Kobel den Versuch von Juan Camilo Hernández hält.
We are very happy after a very difficult match. It was an awesome game.
Yakins Nachtschicht-Generation
Kapitän Granit Xhaka sprach nach dem Spiel in der Sportschau von einer besonderen Elf: „Wir haben eine spezielle Generation. Wir Erfahrenen werden von den Jungen getrieben und sind gleichzeitig ihre täglichen Vorbilder.“ Torschütze Vargas, mit dem entscheidenden zehnten Elfmeter, wirkte nach dem Spiel selbst noch ungläubig: „Ich kann es noch nicht ganz fassen. Wir haben Geschichte geschrieben.“ Trainer Yakin hatte in der Verlängerung Rubén Vargas noch für Dan Ndoye eingewechselt - eine späte Ahnung, die den ganzen Abend rettet.
Was in Kansas City ansteht
Die Nati bricht mit dem Sieg auch einen Fluch: Fünf Mal war die Schweiz vor Vancouver in einer K.o.-Runde einer WM aus einem Elfmeterschiessen ausgeschieden, zuletzt 2006 gegen die Ukraine. Kobel, der neben seiner Parade auch in der regulären Spielzeit mehrfach halten musste, ist der grosse Faktor dieser Nacht. Nun kommt Argentinien: der amtierende Weltmeister, der Ägypten am selben Tag in Atlanta mit 3:2 gedreht hat. Wenn Manzambi rechtzeitig fit wird, hat Yakin Optionen. Wenn nicht, muss die Schweizer Defensive das nächste Mal gegen Messi bestehen.