CBS News hat den langjährigen „60 Minutes“-Korrespondenten Scott Pelley am Dienstag fristlos entlassen. Auslöser war ein Eklat einen Tag zuvor: Bei einer Belegschaftsversammlung in New York hatte Pelley CBS-Chefredakteurin Bari Weiss vorgeworfen, die Traditionssendung zu „ermorden“. Wenige Stunden später überreichte der neue Executive Producer Nick Bilton dem 68-Jährigen das Kündigungsschreiben.

Die Sitzung am Montag, in der Bilton offiziell als neuer Chef der Sonntagabend-Sendung vorgestellt werden sollte, eskalierte vor den Augen der versammelten Redaktion. „Sie ermordet ‚60 Minutes‘“, zitiert die New York Times Pelley. „Sie liebt diesen Ort nicht. Sie wurde geholt, um ihn zu töten, und genau das tut sie.“ Auch Bilton selbst griff Pelley direkt an: Weiss habe „keinerlei Qualifikation“ für ihren Posten, der neue Produzent „dünne Qualifikationen“ für seinen.

Hintergrund ist eine Welle von Entlassungen, die in der Redaktion intern als „Black Thursday“ gehandelt wird. In der vergangenen Woche hatte Weiss die geschäftsführende Produzentin Tanya Simon sowie die Korrespondentinnen Sharyn Alfonsi und Cecilia Vega vor die Tür gesetzt, wie das Branchenblatt Variety meldete. Star-Reporter Anderson Cooper hatte die Sendung kurz zuvor verlassen. Pelley war damit eines der letzten prominenten Gesichter der alten „60 Minutes“-Garde - bis zum Dienstag.

Der Rauswurf erfolgte per Brief von Bilton. „Ihre Ablehnung gegenüber der Zukunft der Sendung ist laut und deutlich angekommen“, zitiert die Washington Post aus dem Schreiben. „Ihr Arbeitsverhältnis mit CBS endet mit sofortiger Wirkung.“ Pelley widersprach noch am gleichen Abend der Darstellung des Senders, man habe einen „Weg zurück“ gesucht: „Es gab keinerlei Bemühen, einen Weg zurück zu finden“, erklärte er gegenüber der New York Times.

„Vertrauen zerbrochen“ - Weiss verteidigt den Schritt

Weiss verteidigte die Entscheidung am Mittwoch in einer internen Konferenzschaltung. „Ich interessiere mich nur dafür, in einer Redaktion zu arbeiten, die auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt aufgebaut ist“, sagte sie laut Variety. „Diese Grundlage wurde am Montag zerbrochen.“ Über Pelley fügte sie hinzu, das sei „der Weg, den er gewählt hat“. Die ehemalige New-York-Times-Kolumnistin und Gründerin der konservativ-libertären Plattform „The Free Press“ hatte im Herbst 2025 die Leitung der CBS-Nachrichtenabteilung übernommen.

Der neue Eigentümer unseres Senders wirft diese Legende beiseite, offenbar um sich einen Moment der Gunst der Trump-Regierung zu erkaufen.
- Scott Pelley, schriftliche Erklärung an die Belegschaft

In seiner schriftlichen Stellungnahme an die Redaktion griff Pelley die Konzernführung scharf an. Das Verhalten von Weiss bezeichnete er als „kalt, herzlos und unter der Würde von CBS News“, wie die New York Times berichtet. „Der Werteverfall an der Spitze ist nicht mehr tragbar.“ Er verwies auf seine Berichterstattung aus Krisengebieten: „Ich war im Kampfeinsatz in Afghanistan. Ich war im Kampfeinsatz im Irak. Ich war mehrfach in der Kriegszone in der Ukraine - unter Lebensgefahr und unter Verzicht auf das Glück meiner Familie, aus Hingabe an diese Sendung.“

Eingebettet ist die Auseinandersetzung in eine größere Umwälzung des US-Medienkonzerns. Paramount Skydance unter dem Tech-Erben David Ellison hatte den CBS-Mutterkonzern im Sommer 2025 übernommen. Donald Trump hatte den Sender 2024 wegen eines „60 Minutes“-Interviews mit Kamala Harris verklagt; Paramount zahlte zur Beilegung des Verfahrens. Kritiker sehen in der personellen Neuaufstellung den Versuch der neuen Eigentümer, ein gutes Verhältnis zum Weißen Haus zu sichern. Auch der Schweizer Tages-Anzeiger spricht von einem „Kahlschlag im US-Fernsehen“.

Pelley und der Trump-Konflikt

Pelley hatte erst vor wenigen Wochen an der Wake Forest University eine viel beachtete Abschlussrede gehalten, in der er die Trump-Regierung scharf attackierte. Pressefreiheit, Rechtsstaat und Universitäten stünden „unter Angriff“, sagte er dort. Die Rede sorgte in konservativen US-Medien für Empörung und legte die Distanz des Reporters zu den neuen Eigentümern offen. Pelley arbeitete 36 Jahre für CBS, davon 22 für „60 Minutes“. Branchenbeobachter rechnen damit, dass er juristisch gegen den Sender vorgeht.